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Zwischen Wahnsinn und Erwartung – wie viel anders ist normal?

Akzeptieren oder resignieren? Von der “Unheilbarkeit”

Als ich meine Diagnose erhielt, war ich gerade achtzehn Jahre alt.

Borderline bedeutete für mich “manipulativ”, “falsche Wahrnehmung”, “überempfindlich”, “nicht arbeitsfähig”, “nicht gesellschaftsfähig”.

Es war wie ein Todesurteil!

Und mir fehlte ein soziales Umfeld, welches sich damit auskannte und mir half zu verstehen, dass mein “Ich”, so wertvoll und sozial kompetent wie eh und je, von dieser Diagnose nicht einfach verschluckt werden konnte.

Das Problem bei Persönlichkeitsstörungen ist ja, dass sie mit der Persönlichkeit entstehen, also in der frühen Kindheit verwurzelt sind und als Schutzmechanismus mit allem wachsen, was sich sonst so entwickelt und entwickeln soll.

Es fühlte sich also an, als wäre ich Borderline und alles andere nichts mehr wert, als müsse ich meine Besonderheiten wegtherapieren um gesund zu werden.

Und dann ist da schon das nächste Wort, das wie ein Kloß im Hals sitzt. Um gesund zu werden.

Borderline galt lang als unheilbar, oder gilt es sogar immernoch – das Ziel für die Patienten soll sein, ein so beschwerdefreies Leben wie möglich zu führen. Ein seelisches Handicap.

Das heißt ich kämpfe und arbeite an mir, um schließlich doch immer wieder über dieselben Baustellen zu stolpern?

Na danke! Das hörte sich überhaupt nicht gut an.

Es dauerte eine ganze Weile, bis ich verstand, dass es mein Denken und Erleben ist, was ich sehr wohl verändern kann!

Und immer wieder dieser Satz:

“Sie müssen Ihre Erkrankung akzeptieren! Übernehmen Sie sich nicht.”

Wie, akzeptieren? Nicht mehr versuchen, eine Ausbildung zu beginnen, keine gesunde Beziehung führen wollen? Aushängeschild “Borderline” und gemütlich machen mit der Ausrede, ich bin nun mal krank?

So klang das für mich. Akzeptieren. So ein Unsinn.

Dass es einen Unterschied zwischen akzeptieren und resignieren gibt, musste ich erst lernen.

So dauerte es ein paar Jahre und ein paar “Kreise” bis ich merkte, dass ein Verdrängen der Diagnose überhaupt nichts nutzt und ich mich wider Willens auch in guten Phasen damit auseinandersetzen muss.

Bis ich realisierte dass sie bleibt, auch wenn ich Freunde und Bekannte habe, die fälschlicherweise das Label “Borderline” bekommen haben, auch wenn es Klischees gibt, denen ich nicht entspreche, auch wenn ich länger als ein Jahr das Gefühl habe, es geht mir gut – die Diagnose bleibt und ich werde immer und immer wieder mit den Kratzern auf meiner Seele leben müssen, die diese Erkrankung darauf hinterlassen hat.

Unheilbar heißt nicht, es wird mir für immer so gehen wie heute oder mit 18.

Unheilbar bedeutet für mich, ich kann die Ursachen für die Erkrankung nicht aus meinem Lebenslauf streichen und muss mich daran gewöhnen, dass es einige Lebensbereiche gibt, die bei mir etwas fragiler, etwas zerbrechlicher sind als bei Anderen.

Das zwischenmenschliche Beziehungen für mich immer ein Bisschen mehr Reflexion bedeuten und Bindung immer wieder eine bewusste Entscheidung sein muss.

Aber es wird einfacher, von Jahr zu Jahr

Es wird leichter, mich für die Vernunft zu entscheiden und mich auf mein Bauchgefühl zu verlassen, ohne mir selbst zu schaden. Es wird von Krise zu Krise leichter, eine mich selbst wertschätzende Lösung zu finden und anzugehen.

Es wird immer leichter, meine eigenen Sollbruchstellen zu umgehen, vorbeugend zu handeln. Und ich bin sehr zuversichtlich, dass ich irgendwann sicher weiß, wie ich mich in meinem Labyrinth aus Persönlichkeitsstrukturen zurechtfinden kann.

Nur gesund, “gesund” werd ich halt nicht. Wahrscheinlich werde ich auch immer mal wieder auf therapeutische Unterstützung angewiesen sein, immer mal wieder stolpern und mir auf die eine oder andere Art weh tun.

Nur ist das zum Einen doch in den meisten Leben so und nicht nur bei mir und zim Anderen haben meine Schwierigkeiten eben auch ihre Daseinsberechtigung!

Sich selbst wertschätzen. Immer das Gleiche 😉

Mit Liebe und Lächeln

Kaddi

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