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Zwischen Wahnsinn und Erwartung – wie viel anders ist normal?

Das Buch.

Kinder von Eltern mit psychischer Erkrankung sind manchmal sehr heftigen Stimmungsschwankungen ausgesetzt.

Sie müssen sich zwischen Abweisung, Passivität, Wutanfällen oder Episoden tiefer Traurigkeit durchsetzen und behaupten und bekommen bei der Regulation und Bewältigung ihrer eigenen Gefühle oft nicht hinreichend Unterstützung.

Da sie aber von ihren Eltern abhängig sind, können Sie nicht einfach wütend auf ihre Eltern sein. Sie müssen ihren Eltern “verzeihen”, und können das gar nicht anders handhaben.

Schlimmer noch: Sie müssen entscheiden zwischen “Meine Eltern sind schlecht” und “Ich bin schlecht”.

Und weil die erste Option dazu führen würde, dass sie “allein” sind, müssen sie sich für die zweite Variante entscheiden.  Sie passen sich also an die widrigen Umstände an. Langfristig kann sich das fies auf die emotionale Entwicklung auswirken: Die Kinder werden unsicher, ängstlich, nehmen sich selbst schlechter wahr. Die Eltern wollen zumeist, so wie alle, das Beste für ihre Kinder – können Eskalationen allein aber oft nicht verhindern und haben kein entsprechend notwendiges Netzwerk.

An dieser Stelle entstand für mich akuter Handlungsbedarf. Ich habe mir Methoden gewünscht, um mit dem Filou auf Augenhöhe über das zu reden, was passiert ist. Ich wollte ihm helfen zu verstehen, das er ein tolles Kind ist, ich aber manchmal nicht anders reagieren kann. Ein Kinderbuch musste her.

Es gibt hier zwar bereits einige Kinderbücher die einen Erklärungsversuch für Kinder starten. Allerdings sind sie zumeist an Kinder gerichtet, die vier Jahre und älter sind.

“Mama und die Fühlster” ist für den Umgang mit kleineren Kindern geschaffen. Als bei mir und dem Filou der Bedarf danach entstand, war er zwei Jahre alt.

Gemeinsam mit dem Buch konnte ich ihm Wut und Leere, Trauer und Angst erklären. Ich konnte ihm aber auch Freude, Stolz, Mitgefühl und Freude zur Seite Stellen, als Helfer, sozusagen.

Meine Hoffnung dabei war und ist zum Einen, den Kindern sozusagen eine dritte Instanz zu schenken. Nicht ich bin schlecht, und nicht meine Eltern: Es war die blöde Wut, die Leere, die Trauer.

Es gibt aber noch eine weitere, schlichtere Intention hinter dem Buch.

Es ist sehr wichtig auch den Kleinsten schon Raum für ihre Gefühle zu geben. Über das Erlebte zu sprechen, Aus eskalierten Situationen zu lernen.

Das geht nur, wenn die Scham der Eltern nicht überwiegt und Kommunikation vielleicht durch Familientherapeuten, Betreuer oder Ähnliches angeregt werden kann.

Nicht alle betroffenen Familien haben ein so umfangreiches Netzwerk.

In meiner Vorstellung greift hier das Buch. Nach jeder Situation kann unmittelbar das Bilderbuch gepflückt, dem Kind erklärt werden was passiert ist.

Vielleicht gibt es bald Kuscheltiere der Fühlster, die Gefühle noch greifbarer und sichtbarer machen.

Die dabei helfen, sie sogar zu regulieren?

Vielleicht eine Wut, die man langziehen und durch das Zimmer werfen kannn. Trauer, der einem in Tränenreichen Zeiten beisteht, Angst, die vor der Dunkelheit schützt?

Bis die Fühlster in den Kinderzimmern betroffener Familien landen, ist es noch ein langer Weg.

Ihr könnt mich auf diesem Weg begleiten. Anderen davon erzählen, die Links teilen, oder mir dann und wann ermutigende Worte schreiben.

Denn zuletzt habe ich das Buch geschrieben und die Fühlster ins Leben gerufen, weil ich selbst noch häufiger Mal ins Schleudern gerate.

Bis dahin, mit Liebe und Lächeln

Kaddi

 

 

PS: Einen kleinen Stopmotion-Trailer gibts von diesem Büchlein schon!

 

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