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Zwischen Wahnsinn und Erwartung – wie viel anders ist normal?

Der positive Blick

Eine der Tücken meiner Persönlichkeitsstruktur – ich habe keine Lust mehr, sie Störung zu nennen- ist, dass ich eben auch nachdem lange Zeit alles gut war das Talent habe, mich in schwierig aushaltbare Situationen zu manövrieren.

Ich denke, es geht jedem Mal so, dass er die Prioritäten schlechter setzt als gewohnt.

Den Nachtisch vor dem Essen, sozusagen. Das ist jetzt ja auch nicht immer was Schlechtes. Appetitanreger.

Manchmal braucht man den Nachtisch vor dem Essen, oder um aus der Metapher raus zu kommen, manchmal hat man eine schwere Zeit hinter sich und muss sich mehr Auszeiten nehmen, sich was Gutes tun, um weiter durchzuhalten.

Mir passiert es aber dann und wann, dass ich der schweren Zeit zu viel Bedeutung beimesse, keine Lust mehr habe, mir selbst Gutes zu tun, weil ich in der Erwartungshaltung feststecke, dass das jemand anders tun müsste.

Dann stecke ich in der Opferrolle fest.

“Ich hab so viel gegeben, ich bin jetzt auch mal dran.”

Ich habe dann keine Lust mehr auf die Verantwortung zu übernehmen. Der Kniff daran ist: Es ist ja die Verantwortung für mich selbst.

Darunter, dass ich sie nicht übernehme, leide zuerst nur ich selbst. Und dann alle Anderen.

Mein erster Impuls um das Gefühl zu verändern ist, Verantwortung für Andere zu übernehmen. Anderen viel mehr zuhören, ihnen Gutes tun und dafür erwarten, dass sie es zurückgeben (natürlich ohne darum zu beten).

Hilft Niemandem oder zumindest nur vorübergehend.

Es würde mir auch wenig helfen, wenn jemand die Verantwortung für mich übernähme. Ich würde nur immer mehr wollen, weil Niemand mir so viele Auszeiten geben und meine Gefühle so gut regulieren könnte, wie ich selbst es kann und muss. Stecke ja nur ich drin in meiner Haut.

Der zweite Kniff liegt genau da begraben: Die Sachen, die in dieser Phase der Selbstsabotage für mich getan werden, die kann ich kaum wertschätzen.

Es reicht ja nicht, damit es mir gut geht, ich fühle mich immer noch gebeutelt, weil die Opferrolle stärker ist als der positive Blick.

Die Veränderung dazu muss von und aus mir kommen.

Ich habe eine tolle Familie, tolle Freunde, viele Möglichkeiten und Träume. Dafür, wie es weiter geht, bin ich verantwortlich.

Jetzt heisst es Balance finden. Natürlich darf ich traurig und wütend sein, dass die Umstände blöd sind und waren. Aber dafür, dass am Ende des Monats genug Geld da ist, dass ìch mich gesund fühle und es meinem Sohn gut geht, dass ich mich in der Wohnung wohlfühle und wie mein leben weiter geht, bin ich allein verantwortlich.

Dafür, wie ich mit anderen rede und wie ich ihre Aussagen verstehen will, bin ich verantwortlich.

Dafür, dass Zettel rechtzeitig überall landen und wann ich Zeit für mich habe, bin ich verantwortlich. Ich muss meine Kräfte richtig einteilen und die Prioritäten setzen.

Dann kann ich auch wieder stolz auf mich sein, Kraft schöpfen und so präsent für Andere sein, dass sie mir wieder gern zuhören. Denn jemand, der in der Opferrolle festsitzt, raubt nur Kraft, er stiehlt die Energie anderer Leute.

Und wenn die Vertrauten und Freunde das merken, ziehen sie sich zurück, oder fallen selbst mithinein. Niemandem hilft das.

Keine Frage der Schuld. Es ist keine Absicht, dass das passiert. Es ist eine der Tücken und Depressionen und psychischen Erkrankungen, aber auch im allgemeinen von schwierigen Lebenssituationen.

“Warum ich? Alle anderen sind schuld!”

Freunde und Familie können dann und wann einen Schubs geben, positiv drauf gucken, anbieten mal rauszukommen.

Am Ende aber ist es mein Leben, meine Entscheidungen, meine Fähigkeiten die es zu pflegen und auszubauen gilt.

Mit Liebe

Kaddi

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