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Zwischen Wahnsinn und Erwartung – wie viel anders ist normal?

Der Trick mit dem skillen – Anspannung und Entspannung

Den “Notfallkoffer” habe ich ja nun als Element aus der DBT kennengelernt und euch auch so weitergeleitet. Ich habe ihn als Mittel vorgestellt, um aus explosiven Momenten auszubrechen:

Aber wozu ist der in der Therap7ie eigentlich gedacht?

In meinen Klinikaufenthalten habe ich an sogenannten “Skillgruppen” teilgenommen. Der erste Schritt war hier “Psychoedukation“, das heißt kennenlernen, was die Erkrankung mit sich bringt.

Hier haben wir zum Einen natürlich die neun Kriterien der Borderline-Störung besprochen, aber eben auch Begriffe wie “Anspannung” und “Dissoziationen”.

Es wurde versucht den Patienten Möglichkeiten aufzuzeigen, negative Stimmungen richtig zu benennen und gegen sie vorzugehen.

So sollten wir zu Beginn jeder Therapieeinheit unsere derzeitige Anspannung in einer Zahl von 1 – 100 angeben.

1-20 entspannt,

20 – 40 leicht unruhig,

40 – 60 deutlich unruhig,

60 – 80 unruhig, schlecht aushaltbar

80 – 100 kaum zu kontrollierende Anspannung

Ab 80 wäre also das höchste Anspannungslevel erreicht, was für “Erkrankte” Impulshandlungen bedeuten konnte.

Selbstverletzendes Verhalten, Aggressionen, Panikattacken, Dissoziationen. Medikamentenmissbrauch, unkontrollierbare Wut und Angstzustände. Anhaltende Gefühle der Leere.

Ein schier unüberwindbares Stimmungstief.

Im nächsten Schritt, mein Lieblingsteil einer jeden Therapie, ging es darum, Auswege zu finden.

Was tut mir gut? Welche Reize kann ich setzen, um eine hohe Anspannung runterzubrechen? Wann fange ich damit am Besten an?

Hier kommen die Skilllisten ins Spiel. Weil auffallend viele Patienten beschreiben, dass sie ihren negativen Stimmungen nichts entgegenzusetzen haben, (“Ich komm da alleine nicht raus”, “es fühlt sich an als wäre ich gar nicht da/ könnte mich nicht steuern”) wurden uns Listen vorgesetzt, die wir spätestens ab Anspannungslevel 70 einfach abarbeiten sollten.

Darauf standen verschiedene Aktivitäten und Reize, die zum Zurückholen dienten: Chillischoten essen, mit Igelball massieren, Stressball kneten, laut singen, kalt duschen, schnell laufen, Yoga, Singen, telefonieren, stricken, malen. Sowas.

Manchen Patienten würden auch sogenannte “Skill-ketten” helfen. Also mehrere Aktivitäten nacheinander, erst laufen, dann duschen, dann stricken, dann kochen oder so.

Der wichtugste Leitsatz dabei? Ausprobieren!

“Hier in der Therapie gilt: Auch etwas das 100 Mal nicht klappt, könnte beim 101. Mal Wirkung zeigen. Nur mit Medikamenten müssen Sie das nicht sooft probieren.”

(Zitat Lieblingstherapeut)

Das Ziel ist, das Anspannungslevel wieder auf ein erträgliches Maß herunterzuschrauben und destruktive Verhaltensweisen zu verhindern. Also eine Art und Weise zu finden, sich selbst mit Mitgefühl zu begegnen um den “Zustand” zu beenden.

Ich persönlich habe festgestellt, wie und wann welche “Skills” funktionieren ist sehr situationsabhängig.

Starker Unruhe kann ich am Besten durch Putzen begegnen. Wut hingegen braucht entweder etwas Meditatives oder einen starken Gegenreiz. Trauer bleibt mir immernoch ein Rätsel – singen hilft mir bisher noch am Besten. Bei Angst muss Ablenkung her: Puzzlen, Zauberwürfel, sowas. Konzentration.

Und immer ist es für mich wichtig, die Anspannung im richtigen Moment zu bemerken. Bestenfalls nicht erst bei 70.

Ich vergleiche das gern mit Fieber – da findest du bei 39 Grad auch nicht mehr die Kraft, dir selbst Wadenwickel zu machen oder dir einen Tee zu kochen, da brauchst du dann schon Hilfe. Bei 37 Grad, die gerade ansteigen, raffst du dich aber vielleicht noch auf.

Also: Damit skillen funktionieren kann braucht es meiner Meinung nach:

  1. Das richtige Timing
  2. Den richtigen “Kanal”
  3. Jede Menge Übung!

Nicht aufgeben, falls es nicht auf Anhieb klappt. Dranbleiben und immer wieder versuchen!

Mit Liebe und Lächeln

Kaddi

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