Was heißt das?

Die große Liebe finden – wieder und wieder

“Boah, die hat schon wieder ‘nen neuen Freund. Die sind erst seit zwei Monaten zusammen, aber diesmal ist es natürlich ‘die groooße Liebe’!”

Die meisten Personen, die ich kenne, belächeln die pubertären Ausschweifungen in Beziehungsdingen.

Liebe, dass ist nichts was man sich nach zwei Wochen Beziehung zusäuseln und dabei ernst meinen kann. Liebe bedeutet, jemanden kontinuierlich auch mit seinen Macken bei sich haben wollen.

Liebe bedeutet, sich gegenseitig stark machen, statt abhängig voneinander zu sein. Füreinander da sein, einander schätzen, respektieren und auf Augenhöhe behandeln.

Liebe bedeutet, auch loslassen können, wenn es notwendig ist – Freiraum gewähren, die eigenen Grenzen und die des Partners zu kennen und zu achten – sich vielleicht aber auch manchmal gegenseitig aus der Komfortzone locken.

Liebe ist der Wille, Arbeit in die Beziehung zu investieren. Gewohnheiten hinterfragen, nach vielen Jahren immer noch manchmal tiefsinnige Gespräche führen.

Das alles kann Liebe sein. Sie kann auch anders aussehen. Manchmal ist sie kein großes Feuer voller Herausforderungen, manchmal ist sie ein Kompromiss, ein aufeinander einlassen, einander gewähren lassen, weil die Überschneidungen genau in den Lebensentwurf passen. Sie kann aufregend oder pragmatisch sein, romantisch oder lustig…

Aber niemand kann doch nach wenigen Monaten von Liebe sprechen, oder? Liebe auf den ersten Blick?

Und wenn einem das einmal passiert, wenn man diese Liebe dann verlernt und verliert, kann es dann wieder passieren? Und dann nochmal?

2. Ein Muster von instabilen und intensiven zwischenmenschlichen Beziehungen

Der Superheld, also der Mann, mit dem ich zusammen bin, ist nicht der Vater des Filou’s. Er ist nicht meine erste, nicht meine zweite, auch nicht meine dritte “große Liebe”.

Vor ihm waren andere Männer da. Und ich habe sie alle, auf irgendeine Weise, wohl wirklich geliebt, für ihre Macken, für ihre Besonderheiten, für ihr Wesen.

Bei dem Einen war es ein Drama, beim nächsten ein Auseinanderleben, und meistens ein einfaches weglaufen meinerseits. Von mir hat sich keiner getrennt.

Ich trenne mich, weil mich nichts mehr hält. Kein Gefühl, kein Gedanke. Es ist kein “ich bin nicht gut genug” und kein “es wird was Besseres geben”, es fühlt sich einfach nicht mehr gut an. Und irgendwann möchte ich weg, weil die Beziehung plötzlich beiden weh tut.

Ich musste lernen, dass mein Beziehungsverhalten sehr paradox ist. Die Angst zu verlieren jagt mich davon.

In einem anderen Beitrag habe ich begonnen, die Sache mit der Objektkonstanz zu erklären. Dass Menschen mit der emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung nicht gelernt haben, dass etwas auch dann noch da ist, wenn man es nicht sieht.

Stell dir vor, du würdest bei jedem Streit mit deinem Partner denken, dass er dich nicht mehr liebt. Stell dir vor, wenn dein Partner eine schlechte Phase hat, kannst du dich nicht mehr daran erinnern, dass es auch eine gute gab. Stell dir vor, eine Beziehungskrise fühlt sich immer an, als wäre das, was euch verbunden hat, bereits unwiderruflich verschwunden.

Jedes Mal entwickelt sich an kleinen Sollbruchstellen in meiner Beziehung eine Mischung aus Schuldgefühlen und Wut. Die häufen sich, bis ich innerlich mit der Beziehung abschließen und davon laufen kann (bevor ich verlassen werde, bevor ich meinen Partner sehr verletze….)

Natürlich ist das total idiotisch.

Aber nach einer Beziehung treffe ich dann wieder jemanden. Jemanden der mich sieht, der mich achtet, der meine Interessen teilt – und ich fühle mich wieder wie ein Pubertier, dass vorher niemals enttäuscht wurde.

Bis die Falle wieder zuschnappt.

Idealisierung – Entwertung – Flucht.

Ein paar Jahre schlich sich dieses Muster auch durch Freundschaften. Dann hab ich mir zur Angewohnheit gemacht, für jeden wichtigen Menschen ein Armband umzulegen, dass mich fortwährend daran erinnert, wer mich gern hat.

Inzwischen brauche ich die Armbänder nicht mehr.

Und der Superheld weiß, dass ich mich manchmal so fühle als würde ich ihn nicht lieben. Und so, als würde er mich nicht lieben. Aber mein Superheld ist genau das. Ein Superheld. Er macht mir immer wieder klar, dass er für mich da ist. Genau dann, wenn ich es meiner Meinung nach am wenigsten verdiene.

Noch hab ich die Hoffnung ja nicht aufgegeben: Irgendwann kapier ich das bestimmt auch.

Mit ganzem Herzen.

Mit Liebe,

Kaddi

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