Die guten Phasen genießen

Da ist sie wieder!

Ich habe jetzt einige Tage lang nichts von mir hören lassen.
Viele Gedanken kreisten um mich, meine Zukunft und meine kleine Heimatblase.
Ich hatte zu tun mit Wäschebergen und diesem elenden Mitbewohner, der sich Alltag schimpft, mit depressiven Tagen (oder Wochen?), der Klärung meiner Perspektiven, Ämtern und allem, was so eine Ausbildungsunterbrechung noch so mit sich bringt.

Der Filou und ich sind seit Weihnachten abwechselnd krank und es fiel mir immer, immer schwerer liebevoll und geduldig auf untröstliches Weinen und Autonomiephasen-bedingte Exzesse zu reagieren. Ich zweifelte an meinem Verstand und habe ein Kinderbuch geschrieben, um ihm andersherum meine emotionalen Ausbrüche zu erklären.

Ihr seht – da ist eine Menge passiert. In der letzten Woche kam dann endlich die so lang ersehnte gute Phase. Wir waren bei meiner Mutter – plötzlich schlief das Kind. Mittags zwei Stunden und abends um acht – endlich wieder Zeit!
Zeit um durchzuatmen, Zeit um herauszufinden, was ich im Moment überhaupt von der Welt erwarte.

Wisst ihr, was dabei herausgekommen ist?
Nichts. 

Ich erwarte nichts Besonderes von der Welt, außer etwas Ruhe.
Mein Löbster arbeitet zur Zeit nachmittags. Ich bin also, wenn ich den Filou von der Kita hole, bis abends allein mit ihm. Die Wohnung ist gerade erfolgreich sauber und das Konto leer genug, um nicht groß einkaufen zu müssen.

Als ich den Filou also heute einsammelte, schlenderten wir ohne Ziel einfach drauf los.
Es gab niemanden, der auf mich oder eine wichtige Nachricht wartete, die wesentlichen Dinge der Woche waren erledigt und ich wollte nicht nach Hause – unser Weg führte uns in die Stadt, an Krankenwagen vorbei und einem kleinen Abhang, an dem man wunderbar Steine herunterkullern lassen konnte. Der Filou lief schnurstracks in ein Biolädchen und ließ sich von mir vierzig Cent für eine Clementine geben, die er genüsslich verputzte, ruhig neben mir auf einer Bank sitzend.

Das Schale-wegschmeißen artete in eine Umweltaktion aus – jeder Müll auf dem Bürgersteig wurde in den Mülleimer geschmissen, der jetzt “Mölldonne” heißt.
Auf dem Marktplatz wurde den Kränen dabei zugesehen, wie sie ein Fundament vorbereiteten. Im Center kauften wir ein Eis – und im Buchladen “Laura Stern”, denn der Filou hat in der Krankheitsphase doch die ein oder andere Folge von “pädagogisch wertvollem” Kinderfernsehen aufgesaugt, damit ich durchatmen konnte.

Der ganze Tag lief in Ruhe ab. Wir haben so viel gelacht, gesprochen – auch mit wildfremden, und von keinem ein böses Wort – es war ein durch und durch schöner Tag.

Genau das erwarte ich von der Welt. Etwas Ruhe, um die guten Phasen voll und ganz genießen zu können.

Damit wünsche ich euch einen wundervollen Abend
und falls ihr noch drinsteckt, in der Krankheitswelle, den Depressionen und Wäschebergen: Die gute Phase wird kommen! Haltet durch, ich denk an euch.

Liebe Grüße

Kaddi

 

 

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