Erziehung oder keine Ahnung, was ich da eigentlich mache

Attachement parenting, autoritärer Erziehungsstil, laissez-faire oder demokratisch, vielleicht gar anti-autoritär?

Ich glaube, hier ist emotionale Anarchie.

Manchmal trotzen das Kind und ich um die Wette, weil wir uns nicht einig sind, wem welcher Pudding besser schmeckt, ob um acht nun Schlafens-, oder Spielzeit ist oder ob das Wetter ein Grund ist rauszugehen oder nicht.

Die Sache mit dem Einschlafen habe ich völlig versaut, der Filou schläft am Liebsten tanzend auf meinem Arm ein und aus völliger Bequemlichkeit und weil ich einfach gern tanze behalte ich das gerade auch noch bei.

Mein “Nein” wird in 70% der Fälle zum “Ach meinetwegen” und wenn ich gerade keine Lust auf Türme bauen und Bilder malen habe, läuft hier halt “Laura Stern” mal länger als zehn Minuten.

Die goldene Regel ist: Keine Gewalt und eine liebevolle Entschuldigung samt Erklärung, falls meine Gefühle doch zu laut werden.

Der Filou darf alles, was er kann, alles, was nicht gefährlich ist (oder nur ein sehr gut kalkuliertes Risiko birgt, gefährlich zu werden).

Das heißt mein Zweijähriger hat inzwischen sogar schon mal unter Begleitung von zwei Erwachsenen am Herd ein Rührei gemacht.

Andersrum muss er nichts tun worauf er nicht so richtig Lust hat, mal abgesehen vom Windeln wechseln und Zähne putzen.

Wo wir bei der Windel sind: Er kann und darf auch die Toilette benutzen, nur unterwegs wird’s kritisch: Er kann an- und ausziehen so wenig leiden, dass er lieber nicht Bescheid sagt, also verschieben wir das trocken werden auf den Moment, an dem wir dieses Thema besser kommunizieren können.

Ich bin keine von den Mama’s, die ihre Bedürfnisse sehr weit zurückschrauben können, eben weil mein eigenes Nervenkostüm ganz schön wackelt.

Nach zwei Fiebertagen mit unterbrochenen Nächten werd ich schon mal genauso nörgelig wie das Kind und wenn der Filou Geduld und Liebe abstaubt, obwohl ich mich selbst fühle wie ein trotziges Kleinkind, dann bekommt der Superheld schon mal eins öfter die geballte Ladung Frustration ab.

Süßigkeiten gibt es sehr viel öfter als ich mir das irgendwann mal vorgestellt habe und so richtige Erziehungsziele setze ich mir nicht:

Wichtig ist mir nur, der Filou mit sich selbst besser zurecht kommt als ich mit mir, aber selbst da bin ich mir nicht sicher, wenn ich sehe dass er vor lauter Wut sein Spielzeug durch die Gegend wirft (und ich nicht sicher bin ob er sich das von mir, oder ich mir das von ihm abgeguckt habe).

Ich wünsche mir, dass er in Menschlichkeitsfragen irgendwann meiner Meinung ist: So, für Gerechtigkeit und Hilfe den Schwächeren und sowas.

Ich wünsche mir ein rücksichtsvolles Kind, dass seine eigenen Bedürfnisse wahrnimmt und auf sich Acht gibt, stark genug, für seine Bedürfnisse und seine Meinung einzutreten.

Ich wünsche mir sehr viel, aber ich habe nicht den Plan viel an meinem Kind herumzuschrauben. Ich möchte ihm gern vorleben, wie er sein kann. Das klappt mal besser und mal schlechter.

Ich möchte dass er keine Angst vor Menschen haben muss, die er gern hat und lernt, dass er immer ein Recht darauf hat seine Bedürfnisse zu äußern (aber eben auch, dass sie nicht immer erfüllt werden können).

Dafür reflektiere ich viel und arbeite an mir. Dafür betrachte ich Situationen des Tages abends auf dem Balkon in Ruhe und rede mit dem Superheld darüber. Dafür spiele ich Mäusschen bei Anderen und gucke mir ein paar Verhaltensweisen ab, die ich gut finde.

Eine Bekannte zum Beispiel hat zu ihrem Kleinkind statt “Schenkst du mir das?” ganz schlicht gesagt “Das nehme ich dir jetzt weg.”

Für Viele ist das selbstverständlich. Für mich war es das nicht, dabei klappt es viel besser, ist eindeutig zu verstehen und nicht diskutabel. Klar, das sorgte anfangs für Protest. Aber warum sollte ich mein Kind auch fragen, ob er mir mein Handy gibt, wenn doch eigentlich klar ist, dass er es nicht haben darf?

Wir schleichen uns so durch den Erziehungsprozess und ich bin sehr gespannt, wo wir landen.

Wir haben wenig unumstößliche Prinzipien und feste Regeln, auch das mit den Strukturen und Ritualen musste ich selbst erst lernen, als der Filou in mein Leben kam.

Ich denke das ist gleichzeitig Vor- und Nachteil daran, dass ich so jung Mutter geworden bin: Es gibt noch viel, dass ich selbst lernen muss. Meine Prioritäten lagen bisher woanders: Ich bin mir noch nicht ganz sicher, welche Werte ich meinem Kind mitgeben und vorleben muss.

Das heißt sehr viel Bauchgefühl, sehr viel andere Fragen und auch mal fünf gerade sein lassen.

Es wird schon irgendwie. Mein Sohn ist schließlich kein Projekt oder Produkt, dass ich fertigstellen muss: Er ist ein kleiner Mensch, der noch weiter wächst und lernt wenn ich längst keinen Einfluss mehr auf ihn habe.

Wir zeigen uns die Welt gegenseitig und wachsen so in das Leben rein. Ich erziehe nicht nach Konzept, ich erziehe auch nicht gar nicht: Ich lebe irgendwie mit meinem Kind zusammen und versuche, die für ihn richtige Mutter zu sein.

Und der Filou ist klasse, wie er ist.

Was soll schon schief gehen?

Mit Liebe

Kaddi

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