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Zwischen Wahnsinn und Erwartung – wie viel anders ist normal?

Eskaliert? Schreib es auf! Krisenintervention “Verhaltensanalyse”

Es gibt Methoden aus der DBT – Therapie, die ich mit nach Hause genommen habe – und nun an euch weitergeben möchte.

Mein Ziel bei der Erstellung dieser Rubrik war es kurz-, mittel- und langfristige Strategien zu finden und zu verbreiten um Eskalationen in der Familie zu vermeiden.

Mit der Zauberkiste, der Skilliste und der Reflexionsübung ist zwar ein Anfang gesetzt, aber es gibt weitere Methoden, die unterstützend eingesetzt werden können.

Die Verhaltensanalyse dient dazu, die Situation vor, während und nach einem (problematischen) Verhalten zu dokumentieren, um zukünftig einen anderen Umgang mit entsprechend “riskanten” Situationen zu finden.

Es handelt sich also um ein Dokument, das ich ausfülle, sobald Zeit dazu ist, wenn es eine kritische Situation gab.

Auf dem Bogen stehen Fragen, die ich beantworte, möglichst neutral:

1. Mit welcher Verhaltensweise möchte ich mich auseinandersetzen?

Beispiel: Wutausbruch gegenüber dem Kind.

2. Was war die auslösende Situation?

Beispiel: Der Filou kletterte immer und immer wieder auf den Tisch, egal was ich sagte. Darauf standen Gläser und ich wollte den Abendbrotstisch decken, auf meine Ermahnungen reagierte er nicht.

3. Wie habe ich selbst zur Entstehung der Situation beigetragen?

Beispiel: Vorausgehend habe ich einen Nachmittag nicht mit ihm gespielt. Ich habe mich viel mit meinem Smartphone beschäftigt und war dann damit beschäftigt zu kochen, sodass das Kind um meine Aufmerksamkeit buhlen musste.

4. Was waren die kurzfristigen, mittelfristigen und langfristigen Konsequenzen aus meinem Verhalten?

Beispiel:

Kurzfristig hat der Filou den Tisch verlassen und geweint, sodass ich den Tisch decken konnte. Mittelfristig verlief der Abend angespannt, ich hatte ein schlechtes Gewissen und der Filou ärgerte sich über Kleinigkeiten. Langfristig erfährt der Filou auf diese Weise Negativbestärkung statt Zuneigung und das meine Bedürfnisse wichtiger sind als seine eigenen.

5. Was hat es ermöglicht, das problematische Verhalten zu beenden?

Beispiel: In diesem Fall mein eigener Schreck über des Filou’s Tränen und sein Einlenken.

6. An welcher Stelle hätte ich etwas an meinem Verhalten ändern können?

Beispiel: Ich hätte ihn in den Prozess des Kochens einbinden und ihn bitten können, mit mir den Tisch zu decken oder die Situation verlassen können, um mich abzureagieren. Auch hätte ich im Verlauf des Nachmittages konzentrierter mit dem Filou spielen können.

Nun, was ist der Zweck?

Mich nach einer schwierigen Situation vor einem Stück Papier noch einmal damit auseinander zu setzen, hilft mir dabei zu erkennen, woran die Situation gescheitert ist. Es hilft mir außerdem dabei zu bemerken, wenn sich die Eskalationen häufen.

Ich kann sie zu späteren Situationen durchlesen oder mit Freunden noch einmal nach reflektieren, meine Wahrnehmung überprüfen und eventuell sogar aufdecken, wenn ich mal zu streng mit mir war oder ein Verhalten des Filou’s überinterpretiert habe.

Für mich persönlich ist schreiben auch immer verinnerlichen.

Vor Allem Frage 3 und Frage 6 sind für mich persönlich von besonderer Bedeutung: Wo liegt mein Handlungsspielraum?

Sind der Filou und ich meinen Impulsen und Launen tatsächlich ausgeliefert – oder kann ich dem nicht auch entgegensteuern?

Was denkt ihr? Könnt ihr euch vorstellen dass so ein Dokument Verwendung finden kann, helfen kann?

Mit Liebe und Lächeln

Kaddi

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