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Zwischen Wahnsinn und Erwartung – wie viel anders ist normal?

Filou’s Erste-Worte-Buch

Ich oute mich: Ich bin eine Büchernärrin. Wenn man mich mitten im Nirgendwo aussetzen würde, könnte ich sicher eine Woche überleben, wenn ich nur genug gute Geschichten dabei hätte! Ich würde einfach nicht merken, ob ich hungrig, ängstlich oder müde bin. Was passiert, wenn alle Bücher ausgelesen sind, ist dann eine andere Geschichte 😉

Jedenfalls war mir immer wichtig, meinen zukünftigen Kindern (und denen, die mir anvertraut werden) die Tore zur Welt der Worte auch zu öffnen (und offen zu halten).

In meiner naiven Vorstellung als Kinderlose dachte ich auch, dieses Interesse käme von allein. In der Ausbildung wurde mir erklärt “Kinder lernen durch Vorbilder” und wenn ich als Mutter nur oft genug ein Buch in der Hand halten und meinem Kind Bücher zur Verfügung stellen würde, könnte das Kind gar nicht genug von den Weltenschöpferischen Werken voller Sprache und Fantasie bekommen.

Nun ja – weit gefehlt. Der Filou hat ein Bücherregal, mit dem man fünf Kita Gruppen einen ganzen Vormittag lang bespaßen könnte. Bilderbücher, Märchenbücher, Fühlbücher, Beißbücher, Kuschelbücher, interaktive Bücher und welche, die Geräusche machen…

Und interessiert hat ihn daran die Verpackung und kurz der Geschmack, dann war ihm doch wieder mehr nach turnen, toben und physikalische Grundgesetze erforschen.

Versteht mich nicht falsch. Ich liebe es, mit ihm zu turnen, zu toben und die Welt neu zu entdecken!

Aber im Ärztewartezimmer, wenn ich sehe wie andere Vaddi’s und Muddi’s länger als eine Stunde lang mit ihren Einjährigen “Weißt du eigentlich, wie lieb ich dich hab” durchblättern und Literacy-Erziehung wie nach Lehrbuch erleben, während der Filou frustriert versucht durch die Glastür zu rennen und Schwarzbrot in den Mülleimer spuckt, dann bin ich schon neidisch.

Also begann ich zu tüfteln. Jeden Abend ritualisiert ein Buch vorlesen?

Guter Plan! Sieht in der Realität wie folgt aus:

Mama sitzt wahlweise im Bett oder der Kuschelcke, versucht verzweifelt den desinteressierten Filou ein Buch aussuchen zu lassen, der kopfschüttelnd probiert, den Schrank auseinanderzunehmen, suche dann selbst eins aus, beginne zu lesen, begeistert zu erklären und Bilder zu zeigen.

Bis mein Sohn auf meinen Schultern sitzt und mir wahlweise in die Nase beißt, mir den Mund zuhält oder das Buch aus der Hand reißt und es in die Ecke wirft.

Erfolg! Das Kind hat ein Buch angefasst!

Jedes Kind ist anders. Und ich muss ihm meine Interessen nicht aufzwingen. Bücher sind nicht so sein Ding? Ist okay. Er macht andere Sachen gern und ist fantastisch.Aber ich wäre nicht ich wenn ich es dabei belassen hätte!

Der Filou liebt Mülleimer. Und Bagger, Autos und Lampen. Ich liebe Erinnerungen.

Also habe ich meine Hoffnung der Literacyumsetzung mit Beidem verknüpft und kurzer Hand grobmotorisch selbst ein Buch gebastelt. Darin zu erkennen sind “Ihhh!”, “Datta”,”Brrrm” und “Lblbl”. Mit entsprechender Überschrift.

Aber seht selbst! Um die Pointe vorweg zu nehmen: Es hat geklappt. Der Filou und ich sehen uns jetzt einmal täglich die Dinge an, die er gern benennt – aus seiner Lebensumwelt!!

Ich hab meine Filou-Bücher-Qualitytime, die mitwartenden Eltern ihre Ruhe vor meinem aufgedrehtem Super Kind und das Buch noch eine Menge leere Seiten für neue Lieblingsworte.

Nebenbei wiederholt das Kind natürlich spielerisch bereits gelernte Worte, arbeitet an der Aussprache und an seinem abstrakten Denkvermögen. Er merkt, dass er verstanden wird und die Sprechfreude steigt – so viel zur Theorie.

Oh, aber auf keinen Fall zu vernachlässigen: Oma, Opa und sonstig entfernte Bekannte können sich sie Lernerfolge ihres Lieblings im Zeitraffer ansehen, wenn sie zu Besuch kommen. Und wenn der Filou besonders gute Laune hat, macht er es sogar vor 🙂

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