Ganz normaler Wahnsinn

Warum also bloggen?

Ich bin wohl die 1.000.000.000. Mama-Bloggerin. Ich bin so spät dran, dass es sogar schon “Noch ne Muddi” gab, bevor ich überhaupt angefangen habe darüber nachzudenken, damit anzufangen.
Das liegt vielleicht daran, dass mein Filou erst seit drei Monaten auf der Welt ist.
Oder weil ich wirklich dachte, bloggen sei absolut out. (Vielleicht ist es das auch trotzdem. Hab ich nicht mein Leben lang gelernt, das Eltern grundsätzlich keine Ahnung davon haben, was “man” gerade so macht? )

Warum also bloggen? 

Ganz einfach. Ich brauche das.
Seit ich letztes Jahr meine Wohnung verloren habe oder spätestens seit ich die Ausbildung pausierte, habe ich sehr wenig für mich selbst. Dann war ich neun Monate lang in erster Linie schwanger, seitdem bin ich in erster Linie (und zwar gern) Mama.
Nur ist dieser neue Lebensabschnitt genau das: Ein wirklich neuer Lebensabschnitt. Aus meinem alten Leben habe ich nicht viel bis gar nichts mitgenommen.

Ich habe meine Ausbildung in dem Glauben zurückgelassen, von ganz vorn beginnen zu müssen, ich habe einen Großteil meiner Unabhängigkeit, die mir immer sehr wichtig war, weggeworfen um in die Nähe meiner Familie zu ziehen und ich habe einen Mann mitgenommen, den ich bis dato nur sehr wenig kannte in der guten Hoffnung, dass das schon irgendwie wird.

Meine Freunde sind in Hamburg geblieben, leider so sehr, dass ich nur noch unregelmäßig von ihnen höre.

Ich habe also in einer (für mich typischen) Hau-Ruck-Aktion alles hinter mir gelassen.
Das habe ich schon oft getan! Nur war ich bisher dabei nicht schwanger. Ich habe also unterschätzt, wie verletzlich, wie vorsichtig und wie verplant ich sein würde. Ich habe nicht wahrhaben wollen, was mir alle dauernd gesagt haben: Neue Leute kennenlernen ist dann nicht mehr ganz so einfach.

Filou ist jetzt aus dem Allergröbsten raus. Soll heißen, er kann auch mal fünf Minuten allein auf der Decke liegen, im Babywipper, im Tragetuch sitzen und mir dabei zugucken was ich mache. Ich darf gerade mal ein paar Minuten gedanklich abwesend sein. Das ist jetzt okay. Ich bin meistens ausgeschlafen, der Filoupapa arbeitet viel und meine Eltern nehmen sich auch nicht mehr andauernd frei, weil ich ja jetzt zurecht komme.

Aber meine Freunde arbeiten auch und überraschenderweise interessieren sie sich in ihrer Freizeit gar nicht oder gar nicht so sehr dafür, das Filou jetzt eine neue Windelgröße braucht und den ganzen Tag auf seinen Fingern rumkaut. 

Sie können auch den Ausbildung-Krippe Konflikt nicht nachvollziehen. Oder den Beikostwahn, die Geschichte von Kinder- oder Familienbetten. So wie mich überhaupt nicht interessiert, welches Konzert am nächsten Wochenende besucht und wegen wem im Stadtpark schon wieder Drama gemacht wird.
Und das ich nicht jedes Wochenende mit dem Kleinen nach Hamburg kommen kann ist zwar klar – aber meine neue Heimat ist offenbar auch kein allzusehr begehrtes Reiseziel für meine Liebsten.

Ich trage also meine Konflikte mit mir selbst aus. Gehe unter in meine kleinen Idylle.

Und dann habe ich die herrlich unperfekte Welt der bloggenden Eltern entdeckt.
Wie sie Müttern wie mir beistehen. Wie sie mit herrlich ironischen Geschichten den vielen verzweifelten Eltern Beistand leisten. Eine große, familiär emotionale Selbsthilfegruppe sozusagen. Ein virtuelles Schlupfloch!

Wochenlang war ich stummer Mitleser, habe geteilt, gelacht, bewundert, geliket…
Bis heute. Heute möchte ich mir auch ein Gesicht geben. Also im Grunde, deshalb. Ich möchte dabei sein. Meinen Senf dazugeben.

Hier isser. Mein Senf. Wahnsinnundwirsindjetztauchdabei. Oder so Ähnlich.

 

 

 

 

 

 

 

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