Grenzgänger,  Vom Anderssein

Fühlt sich blöd an oder “Ich wäre gern gesund”.

Borderline ist ja nun nicht einfach eine Depression. Es ist auch nicht bipolar, wie man sich das als Laie vorstellt, so Manie und Depression – es ist wie immer – irgendwas dazwischen. Heftige Stimmungsschwankungen. In Dolci Jubilo und im nächsten Moment Supergau samt Strahlenvergiftung.

Das nervt gewaltig! Vor Allem weil ich im ersten Moment begeistert von etwas bin und im nächsten ist es wertlos und ich habe keine Lust mehr zu nix. Das schwankt über den Tag, aber meine neueste Entdeckung ist: auch über den Monat mächtig gewaltig.

Ich beobachte seit Kurzem also, wie viel Schuld eigentlich meine Hormone an meinen Stimmungsschwankungen haben.

Also nicht Serotonin und Dopamin und wie sie alle heißen, sondern die, die auch für’s Kinderkriegen zuständig sind.

Und das Ergebnis ist frustrierend! Ich stelle mir das ja so vor, als Zwiegespräch zwischen Uterus und Gehirn, quasi, auch eher ein Monolog:

Zyklustag 1-7

“Ja, du, Jammer nur über die Schmerzen! Unerträglich das ich den Kram hier schon wieder durchmachen muss! Wozu hast du mich überhaupt? Ich kann Kinder machen! Und du verschwendest meine Munition!”

Zyklustag 8-14

“Bald ist es soweit, mein Leben hat einen Sinn! Wir können alles schaffen, wir sind ein Team! Komm, lass mich befruchten, es wird Zeit. Guck, du siehst hinreißend aus! Hab keine Angst, wir sind hübsch und klug und kreativ, wir meistern das Leben, komm, wir brauchen nur noch ein….”

Zyklustag 16 – 30

“WARUM!? WARUM TUST DU MIR DAS AN? Das Leben ist grausam! Du musst essen! In die Jeans passt du eh nicht mehr rein. Wozu gibt es dich überhaupt? Was willst du vom Leben? Du kannst doch eh nichts richtig!”

Zyklustag 30 – Ende

“Das hast du davon! Ich werde dir nicht sagen, wann der letzte Tag ist! Kannst ja Rätselraten während du deine Pickel zählst, wenn du es überhaupt schaffst aufzustehen! Es ist sowieso alles immer gleich und immer grau und ohne Sinn und Ziel!”

Ja. So fühlt sich das an. Mit jeder unbefruchteten Eizelle stößt mich die fraulich-hormonelle Seite sozusagen in Depressionen.

Ich bin kein Fan davon den Begriff Depression lapidar zu nutzen, mein das also schon ernst.
Man könnte im Kalender ankreuzen, ab welchem Tag ich keinen Bock mehr auf nichts habe, träge und unproduktiv (manchmal v.a. destruktiv) bin.

Ich hab die Nase so voll davon!
Ich hätte gern mal einen Monat lang stabile Launen.
Ich rede nicht von durchweg guter Laune, aber wenigstens stabil in einer Stimmung, mittelmäßig gut oder einfach etwas weniger schlecht!
Ich reflektiere und beschäftige mich, finde Ursachen und leite Ablenkungen in die Wege. Ich erziehe mich selbst, sozusagen, halte aus, besänftige, erkläre.

Erkenne und benenne Glaubenssätze und distanziere mich von meinen Problemen, weil zu viel reflektieren genau so wahnsinnig macht.

Kein Ding. Ich bin ab und an Stolz auf mich, schätze mich wert und mahne mich ab, trete mir in den Hintern und halte die Nase zur Sonne.

Mega anstrengend, übrigens, klingt viel einfacher als es ist. Hab das ja nun auch in ein paar Jahren Therapie und auch weil ich eben musste gelernt.

Aber man! Ich wünschte, es wäre anders. Sind ja nicht alle krank, muss ja auch ein paar Gesunde geben. Leben ist bestimmt für Alle irgendwie anstrengend. Für mich auf meine, für die Anderen auf andere Weise.

Aber ich würde gern mal weniger reflektiert durch den Tag stolpern und Dinge emotional auf Anhieb richtig einordnen. Abends mit guter Laune einschlafen, wenn ich morgens mit guter Laune aufgewacht bin.

Weiß nicht, ob ich das eigentlich jemals kann, oder ob ich das, was man erreichen kann schon erreicht hab. Also quasi “mit den Gefühlen umgehen”.
Etwas verwirrt und mit viel Liebe

Kaddi

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