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Zwischen Wahnsinn und Erwartung – wie viel anders ist normal?

Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt

Wie steht es bei euch mit dem Schnee?

Hier ist er wieder da. Gestern wollte er verschwinden, ich habe mich im Kreis gedreht, mich gefreut und einer Freundin erzählt, der Frühling käme. Ich bin draußen gewesen und habe vor lauter Übermut die Mütze weggelassen.
Ich konnte gut damit leben, dass mich die letzten Tage schwierige Themen beschäftigt haben.

Ich habe zwar viel gegrübelt, mich viel an weniger schöne Zeiten erinnert und war irgendwie etwas unzufrieden mit meiner beruflichen Situation – aber alles in Allem war ich wirklich gut drauf.

Ich war kaum wütend, war ausgeschlafen, hatte einen Tagesrhythmus. Ich habe mir die Zeit genommen, hier jeden Tag ein Bisschen was zu schreiben und mich über die Klicks gefreut, die ganz langsam mehr werden.

Dann werde ich heute Morgen wach. Boom. Alles weiß. Und das Drama beginnt!

6. Affektive Instabilität, die durch eine ausgeprägte Orientierung an der aktuellen Stimmung gekennzeichnet ist (z.B. starke episodische Niedergeschlagenheit, Reizbarkeit oder Angst).

“Die Grundstimmung ist meistens nicht ruhig und kontrolliert, sondern eher überaktiv und nicht zu unterdrücken (…)”
(J.Kreisman ‘Ich hasse dich – verlass mich nicht’)

Ich habe heute also schlechte Laune.
Na und? Jeder hat die mal!

Ich werde wach, nehme den Filou auf den Arm, wir gehen in die Küche. “Wollen wir Frühstück machen?” “Ja! Düdück!” Frühstück machen heißt: Ich mache Frühstück, er planscht an der Küchenspüle. Das stört mich sonst nicht, ich finde ziemlich schön, dass er sich inzwischen so lang und gern selbst beschäftigt. Heute war ich schon etwas genervt davon, jedes Mal warten zu müssen, wenn ich Wasser brauchte.
Dumme Umstände verwehrten mir dann auch noch meinen morgendlichen Kaffee und anziehen wollte sich das Kind auch nicht.

Meinen ersten Wutausbruch hatte ich also heute Morgen um halb Acht.
“Superheld nimm du den Filou mal kurz!”
Mein Tag war gelaufen. Was wollte ich heute tun? Wäsche waschen, aufräumen, schreiben, den nächsten Fühlster posten. Freude, eigentlich.

Aber heute bin ich nicht fröhlich, heute bin ich niedergeschlagen und gereizt und mache mir Sorgen um meine Zukunft. Es fühlt sich an, als würde ich im Moment nichts tun, als einem dämlichen Traum hinterherjagen. Ein Buch veröffentlichen!

Von wegen. All die klugen Worte von wegen ich hätte schon viel erreicht, könne stolz auf mich sein! Bitte, lächerlich, ich bin ein Versager und werde es auch bleiben. Glaubenssätze? Und wenn Psychologie doch Humbug ist,  wenn ich mich verrenne, wenn alles bleibt wie es ist?
Also habe ich den Vormittag verschlafen, ein paar Therapeuten angerufen und jetzt, eine Stunde bevor ich den Filou wiederhole, schreibe ich es dann doch noch auf

Nicht die geplanten Posts: Aber zumindest das, was ich heute von dieser dummen Erkrankung abbekomme. Ungefiltert, mittendrin.

Meine gesamte Grundstimmung kippt also im Affekt. Gestern Abend hatte ich ein aufwühlendes Gespräch. Vorgestern ein schwieriges Thema. Beides beiseite geschoben – der Frühling kommt! Ich war überwältigend gut drauf. Geduldig, entspannt.

Der Frühling zieht sich noch einmal zurück? Alles weiß? Alles kalt?

Da bleibt mir wohl nichts übrig, als noch mal eine depressive Verstimmung auszuleben.

Was dagegen hilft?
Ich habe eine Stunde, bis der Filou von der Kita kommt. Meine Mission oberster Priorität? Gute Gefühle finden, den Frühling in die Wohnung holen. Leere besiegen bevor sie sich endgültig breit macht.

Drückt mir die Daumen!
Und vielleicht ergänze ich diesen Beitrag, wenn ich die andere Seite wiederentdecke.

Mit schlechter Laune besiegender Liebe im Bauch
Kaddi

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