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Zwischen Wahnsinn und Erwartung – wie viel anders ist normal?

Jubiläumsgefühle und andere Wahnsinnigkeiten

Mein Lieblingslied war eine Weile lang “Kreise“ von Wir sind Helden.

“Müder Pantomime / du hebst nicht mal mehr die Hände / Unter deinen Schuhen wächst das Gras /Wohin du dich drehst / überall unsichtbare Wände / lehnst die heiße Stirn gegen das Glas“

Genau so hat es sich nämlich angefühlt. Als wäre mein Leben eine Endlosschleife von Rolf Zukowskis Jahresuhr, nur mit schieferen Tönen und einer traumatischen Assoziation für jede Jahreszeit.

Da hätten wir Ostern, der Tod der Freundin. Mai, der Selbstmord vom Stalker. September, die ersten gelben Blätter, die meine Schuldgefühle auf den Plan rufen wie ein höriges Hündchen. Auf dem Fuße folgt dann Weihnachten und Weihnachten ist sowieso das Fest, an dem sich alle ein Bisschen einsam fühlen und das fehlende Vitamin D die Depressionen einlädt. Den Sommer find ich eigentlich gut, aber da ist dieses Damoklesschwert der Endlichkeit, das mit melancholischer Stimme und Akustikgitarre meine Wehmut weckt.

Und immer wieder kommt ein neuer Frühling, immer wieder kommt ein neuer März.

Das Fiese daran ist, dass ich mir nie sicher bin ob ich mich nun eigentlich gerade schlecht fühlen darf. Ich lasse es einfach sein, wenn jemand zu guckt, ab und an, wenn nur die vertrautesten Vertrauten da sind, eskaliere ich im Drama und sonst verstecke ich mich hinter einem fetten Lächeln und gut positioniertem Optimismus.

Aber “alles steht Kopf“ lehrte uns…

Genau, wo Trauer verdrängt wird, gibts auch keine echte Freude und schon fühlt sich alles falsch an. Wut und Angst greifen das Zepter der Gefühlsgewalt und gehen mir gehörig auf die Nerven.

Die Jahresuhr steht niemals still.

Aber mein Leben auch nicht. Also laufe ich mit. Der Sonne entgegen. Und Jahr für Jahr häuft sich neues Elend, das irgendwann bewundert, bestaunt und in Kisten gepackt werden will, als wohlgepflegter neuer Ballast.

Unsinn! Ich werfe jetzt Altlasten ab.

Und zwar, indem ich mich selbst wieder an die Hand (und ernst) nehme.

Mir wurde in den letzten Wochen und Monaten übel mitgespielt! Und ich habe sehr viel dafür getan, da zu sein, wo ich gerade bin (unabhängig vor Allem, so unabghängig wie möglich!)

Und deshalb greif ich jetzt mit beiden Händen nach Allem, was mir gut tut.

Ich kann die wiederkehrenden Schatten alter Traumata nicht einfach wegwischen, aber ich kann sie wahrnehmen als das, was sie sind. Schatten.

So weit die Theorie.

In der letzten Woche hab ich mit Sozialkontakten und Sport schon mal gut angefangen. Heute auch noch gutes Essen, ein Blogbeitrag und wenn ich es schaffe die passende Zeichnung.

Und demnächst wird wieder gar nichts klappen. Hoffentlich bleibt eine vage Erinnerung an heute Abend.

Ich danke euch für eure Aufmerksamkeit

(Und poste bestimmt demnächst Mal wieder was irre Informatives, wenn der gedankenlose Wahnsinn hier mal geordnetere Bahnen nimmt!)

Mit Liebe und Lächeln

Kaddi

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