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Zwischen Wahnsinn und Erwartung – wie viel anders ist normal?

Krippenbetreuung oder “Warum bekommt man dann überhaupt ein Kind?”

Ich bin noch nicht lang Mama. Ich hatte keine Ahnung von dem Shitstorm, den diese Frage auslösen kann.

Als der Filou damals in die Krippe sollte, war ich sehr unsicher. Ich hatte viele Ängste und wollte erfahrenere Muddis fragen, was sie davon halten, ein Baby mit nur sechs Monaten in die Krippe zu geben.
Ich bat in der Frage darum, keine urteilenden oder wertenden Antworten abzugeben. Einfach nur die eigenen Erfahrungen, weil mein Bauchgefühl sich ausschwieg und ich Hilfe brauchte, meine eigene Meinung in all dem Gewirr aus Hormonen und gesellschaftlicher Erwartung zu finden.


Boah, mit nur sechs Monaten! Krass, warum bekommt man dann überhaupt ein Kind?
Da hält das Kind die Erzieherin doch für die Mutter! Wie will man dann überhaupt noch stillen? So kann aus dem Kind nichts werden. Was für eine Rabenmutter!
Wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen, würde ich nie ein Kind in die Welt setzen!


Manchmal plant man nicht, “ein Kind in die Welt zu setzen”. Und tut es trotzdem. Und die Rahmenbedingungen, die vor der Schwangerschaft oder in der Schwangerschaft stimmten, können kippen.

“Warum bekommt man dann überhaupt ein Kind” ist genau die wertende Antwort die ich lieber nicht gehört hätte. Mit Ich-Botschaften und urteilsfreiem Rat hat das nur sehr wenig zu tun. Nein, damit hat das überhaupt nichts zu tun.

Filou und ich haben, wie ich glaube, einen Weg gefunden, der für uns beide passt.
So blieb er dann noch ein halbes Jahr vormittags mit seinem Paps zu Hause. Und dann, mit einem Jahr, war es doch soweit.
Er ist sehr zufrieden mit den Erziehern, nach wie vor ein sehr ausgeglichenes Kind. Inzwischen musste er die Krippe sogar einmal wechseln – weil ich umgezogen bin.

Ich habe diesen Weg gewählt, weil ich meine Ausbildung beenden möchte: Ironischer Weise die Ausbildung zur Sozialassistentin. Das heißt ich weiß sogar, wie es in Krippen zugeht. Und das die Betreuungssituation Kinder manchmal wirklich verwirren kann.
Aber die Ausbildung ist mir sehr wichtig und Filous Ankunft war nicht geplant. Er hat mein Leben gehörig auf den Kopf gestellt und den Rest habe ich selbst durcheinander gebracht. Und ich liebe ihn dafür! Aber ich bin mir selbst schuldig, in einem Akt der Selbstfürsorge meinen Wünschen trotzdem nachzugehen. Damit ich meinem Filou eine selbstbewusste, starke Mutter sein kann.

Das nur nebenbei, ich finde nämlich eigentlich ich muss mich überhaupt nicht rechtfertigen. Ich habe leider trotzdem das Gefühl, dass es nötig ist.

Übrigens bin ich der Meinung, dass es nicht absolut verwerflich und schon gar nicht verantwortungslos ist, sein Kind auch mit einem halben Jahr in die Krippe zu geben; Es sind nicht die besten Voraussetzungen für die Mutter-Kind-Bindung, und es ist sicher nicht der absolut beste, wahre, anzustrebende Weg.

Aber verteufeln muss man das ganz sicher auch nicht, vor Allem dann, wenn man als Mutter den Erziehern vertraut und das Bauchgefühl sagt, es ist okay.
Und zwar auch, wenn der Grund so ‘banal’ ist wie “aber zu Hause fällt mir die Decke auf den Kopf”, “Die Ausbildung ist mir wichtig” oder “Ich brauche aber die Rentenpunkte”.
Wenn ihr aber das Gefühl habt, ihr oder eure Kinder brauchen die Zeit zu Hause: Dann macht es so! Dieser Weg ist mindestens genau so richtig!

Lasst euch von keiner Seite zu etwas drängen, womit ihr euch nicht wohl fühlt. Egal worum es geht.
Ihr und eure Kinder seid diejenigen, die ein Leben lang mit diesen Entscheidungen leben müssen.

Euer Kind wird weder ein kriminelles Superhirn, noch wird es vergessen dass ihr seine Mami seid, weil ihr es morgens in die Krippe gebt und nachmittags wieder abholt. Er wird aber auch nicht zum Präsidenten oder ihr zur Mami des Jahres, “nur” weil ihr mit ihm zu Hause bleibt.

Es geht darum, wie sicher das Kind in seiner Persönlichkeit und in seinen Bindungen ist oder wird. Und die beste Voraussetzung für ein sicher-gebundenes Kind ist nicht die Mutter, die am längsten zu Hause bleibt oder die mit dem besten Krippenplatz.
Die beste Voraussetzung dafür ist eine Mutter, die Vertrauen in sich selbst und ihr Kind hat.

Eine Mutter, die da ist, wenn das Kind sie braucht und hinter ihren Entscheidungen steht, aber auch nach Kompromissen sucht, wenn sie merkt, dass der eingeschlagene Weg für sie oder das Kind nicht in Ordnung ist.

Und kein Kind ist wie das andere: Was für das eine Baby das sichere Chaos bedeutet, kann genau das Richtige für das Andere sein.

Wir haben es hier doch nicht mit unbeschriebenen Seiten zu tun, die man nach Lehrplan beschreiben kann, sondern mit kleinen Personen, mit kleinen Persönlichkeiten!
Das heißt, es geht mal wieder um eine individuelle Lösungsfindung.

Und eins muss ich dabei noch loswerden!

Sogar Kinder mit unsicher-ambivalenter Bindung, ja! Sogar unsicher vermeidende Kinder können glücklich werden und ihre Mütter lieben und geliebt werden.

Wichtig ist, dass es allen Beteiligten gut mit der Entscheidung geht.

Das ist mein Ergebnis nach einigen Tagen und Wochen intensiver Auseinandersetzung und vielen Gesprächen mit Ausbildungsstelle, Krippe, Tagesmutter, Verwandtschaft und inneren Dialogen.
Zum Ende muss ich sagen, es ist gut, dass ich diese dreiste Frage gestellt habe. Denn mein Ziel, eine eigene Meinung zu finden, habe ich erreicht.

Liebe Mamis!

IHR KENNT EURE KINDER AM BESTEN!

Lasst euch nicht reinreden. Wenn jemand herausfindet, was für eure Kinder das Beste ist, dann seid ihr das. Bitte akzeptiert aber, dass das nur für euch und eure Kinder gilt.

Mit ganz viel Liebe von mir für euch!

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