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Zwischen Wahnsinn und Erwartung – wie viel anders ist normal?

Loslassen

Dieses Thema beschäftigt mich, seit sich vor einigen Tagen ein Mensch meiner jüngeren Vergangenheit bei mir meldete, zu dem der Kontakt nun eigentlich schon seit einer Weile beendet ist.

Die Geschichte war wie aus einem schlechten Film, es war Bekanntschaft, dann Freundschaft, dann irgendwas dazwischen und schließlich wurde es mehr.

Am Ende wurden Versprechungen gemacht, ich habe endlos weit vertraut und wurde sehr enttäuscht. Er verwarf vom einen auf den anderen Tag alle Pläne, überlegte sich die Sache anders und ließ mich damit ziemlich verletzt zurück.

Ich habe versucht mit meinen Gefühlen zurecht zu kommen, habe festgestellt, dass mir jeder Kontakt zu ihm nicht gut tut und mich davon gelöst. Ich habe die Gefühle verarbeitet, die Geschichte akzeptiert, Fotos gelöscht und doch nie ganz losgelassen. Denn wie sollte man es sonst erklären, dass ich immer noch zu lasse, dass dieser Mensch mich weiterhin erreicht?

In der heutigen modernen Welt ist es so leicht, Menschen komplett aus seinem Leben zu verbannen. Da gibt es diesen kleinen Knopf „Blockieren“ und damit könnte er mich nie wieder mit einer diesen kurzen Nachrichten überrumpeln, die mich ab und zu doch noch aus dem Konzept bringen.

Aber ich kann mich nicht dazu überwinden. Alles habe ich getan für den Abschluss, nur dieser kleine Letzte Schritt fehlt und ich fühle, wie sich etwas in mir sträubt.

Ich kann nicht beschreiben was das ist und warum, aber es ist da.

Ich habe ja schon einmal erwähnt, dass ich furchtbar schlecht in Abschieden bin und loslassen gelingt mir ähnlich, wenn nicht sogar noch schlechter.

Ich sammle. Alles Mögliche an Kram, Dinge, Erinnerungsstücke…

Ich sammle Erinnerungen wie Steine. Ich sammle beides und es wiegt ähnlich schwer, wenn man es mit sich herum trägt.

In meiner Wohnung liegen Eintrittskarten und Briefe, Fotos und Kram, den andere Menschen als Müll ansehen würden. Doch mich erinnern diese Dinge an Menschen und Erlebnisse. An schöne Stunden, die ich mit meinen Liebsten verbracht habe, an aufregende Erfahrungen.

Das verstehen wohl einige Menschen. Ich habe schon in vielen Wohnungen solche Karten an Wänden und Türen hängen sehen.

Doch da sind eben auch die anderen Sachen. Die Kiste unter meinem Bett, mit Erinnerungen an einen Menschen und eine Zeit, die mir sehr schlecht getan hat, die meine schlimmsten Eigenschaften zum Vorschein gebracht hat. Da sind Briefe und Fotos aus meiner Kindheit, die mich an schlimme Zeiten und Dinge erinnern. Da sind Nachrichtenverläufe in meinem Computer, die die Geschichte von Verletzung und Enttäuschung erzählen.

Und am Ende sind da die Erinnerungen selbst. Ich möchte so viel wie möglich von mir wissen, und wenn mir etwas aus meiner Kindheit wieder einfällt, halte ich es fest, egal wie schmerzhaft die Erinnerung ist.

So oft habe ich von Therapeuten gehört, man müsse Erfahrungen und Erinnerungen loslassen, habe Traumreisen dazu gemacht und am Ende doch wieder alles in meinem Kopf verstaut und behalten.

Ich weiß nicht ob das der richtige Weg ist und ich weiß nicht ob es den überhaupt gibt. Ich weiß bisher nur, dass ich es nicht übers Herz bringe, Menschen und Zeiten völlig aus meinem Leben zu löschen und das erscheint mir mal mehr und mal weniger sinnvoll.

Lican

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