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Zwischen Wahnsinn und Erwartung – wie viel anders ist normal?

“Motzilla im Kampf gegen sich selbst” oder: Ich kann mich grade selbst nicht leiden.

Der Filou wird drei. In drei Monaten. Und zu seinem Geburtstag bekommt er einen kleinen Bruder, völlig irrsinnig formuliert, aber so wurde es berechnet. Kurz vor Weihnachten ziehen wir in eine neue Wohnung. In eine neue Stadt. Dazu der Mann, den er zwar schon immer kennt, dessen Rolle aber größer wird, der Abschied von der Kita und dann:

Motzillamama.

Ich bin nicht bei der Sache. Ich möchte präsent und aufmerksam und voller Liebe mit ihm spielen, ihm aufmerksam zuhören, stolz sein.

Stattdessen frage ich Google nach Hausmitteln bei Erkältung, schreibe einer Freundin und bin abgelenkt durch irgendwas, das meine Aufmerksamkeit gerade gar nicht braucht.

Und dann motze ich. Ich motze weil der Filou irgendwas macht. Wasser ausspucken. Sachen herumwerfen. Auf den Tisch klettern.

Und wenn ich motze, dann lacht das Kind.

Hätte jawohl auch vorher gucken können. Als er noch mit mir spielen und mich noch nicht ärgern wollte. Jetzt will er ärgern. Muss ich durch.

Das Ausreflektieren mache ich aber erst später. Jetzt steht er auf dem Tisch, mit Wasser im Mund, Socken werfend. Und ich brülle “Runter da, sofort!” Und er schüttelt lachend den Kopf. “Und wie!”

Ich hebe ihn vom Tisch. Er weint. Ich rede auf ihn ein. Er weint lauter. Wir sind beide unglücklich.

So oder so ähnlich passiert das hundert Mal am Tag, ungefähr. Mal weil ich abgelenkt bin, mal weil Kinder halt so sind, mal weil was nicht so läuft wie er will.

Er ist bald drei. Sein ganzes Leben verändert sich. Und ich bin gerade nicht in meinem besten aufmerksamen Mama-macht-mit-Modus.

Ich habe Verständnis für alle Beteiligten. Für den verzweifelten Filoupapa der nicht weiß, wie er helfen soll, für die Oma, die kurz ihre Ruhe braucht, für den Filou, der nicht weiß wohin mit sich und deshalb mächtig aufdreht und durch mein Leben hüpft wie ein Flummi auf Ecstasy.

Für mich aber nicht. Ich gehe mir auf die Nerven mit meinem Abgelenkt- sein und meiner Motzerei und meinen nie-geplanten Erziehungsmethoden im Moment.

Ich nerve mich damit, das Kind älter haben zu wollen als es ist und ihn ständig zu überfordern.

Ich bin nicht die Mutter, die ich sein will und das fällt mir ein, permanent. Beim ins Bett bringen. Beim zur Toilette gehen. Beim Fünf-Minuten-Ruhe-haben wenn das Kind alleine spielt. Beim Einschlafen.

Ich denke “Morgen mach ich alles anders” und dann wache ich auf, mit brummenden Kopf und überhaupt keiner Lust für “Mama wir müssen aufstehen die Sonne scheint” mit “Nimm sofort deine Füße aus meinem Gesicht” , “Guten Morgen, Kind, lass uns Frühstück essen.”

Und es geht von vorn los.

Wir toben durch den Morgen und irgendwann schalte ich kurz ab. Das Kind will genau dann seine Mama und ich brauche genau dann einen Moment lang nichts.

Der Filou dreht auf und ruft “lololodepermot!”, was wohl Fantasiesprache ist für “Ab jetzt gehe ich dir auf die Nerven!” Und ich motze.

Manchmal motze ich auch nicht, aber ändern tut es nicht viel. Der Filou hat viele offene Themen gerade, so wie ich auch.

Sein Verhalten darf natürlich völlig außer der Reihe sein und es darf mir auf die Nerven gehen, nur geliebt fühlen soll er sich immer und angenommen.

Ob mir das im Moment immer so gut gelingt, das weiß ich nicht. Wir sind wohl beide durcheinander und beide ein Bisschen am Ende.

Und ich bin eben die Erwachsene, die mit der Verantwortung, ich muss das gerade wohl “einfach” irgendwie hinbekommen.

Nur wie eigentlich?

Im Moment bin ich ratlos.

Mit Liebe und Lächeln

Kaddi

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