wahnsinnundwir

Zwischen Wahnsinn und Erwartung – wie viel anders ist normal?

“Realitätsüberprüfung” oder schweren Herzens ohne Perfektion

18.11.2014, Philokatastrophen

Träumen, lenken, weiterdenken. Leben, um zu geben, zu erhalten, was vergeht.

Mit Anlauf ins Verderben, in die Zerstörung. Vernichten, was gut ist, vernichtendes Urteil. Balcanceakt. Wehr dich. Was ist gut? Festige deine Stärken, festige die Erfahrung – mach sie neu. Orientere. Stabil. Hau ruck, Rückzug, Zurück. Gerecht, verrückt. Ein Seil aus falschen Annahmen auf dem ich balanciere. Fest genug gebunden, mich zu halten, verträgt nicht die Wahrhet, Vertrauen und Mut, nur Schuld und Verderben trägt, aber es braucht, es braucht ein Ende.Auf dem Seil balancieren, über meine Klippe, die Schlucht, das Tal macht Sinn, der Boden am Ende ist fest, das Seil dort nicht – balancieren in der Luft ist nicht, nicht das, nicht brauchbar – negativ behaftet, nicht behaftet mit der Ebene, der Sicherheit unter meinen Füßen, unter meinem Seil.

Was fehlt? Es fehlt das Ich in Zuversicht, im Licht, im in sich gehen, denn das Ich steckt nicht in meiner Haut, es passt nicht rein, es passt ins Nichts. Nimm es Ernst, nimm es an die Hand, das Kind, damit es nicht im Nichts, im “Ich” verloren geht. Halt es fest, dasWort, denn nirgends ist so viel gesammelt, so viel gefangen an einem Ort, wie hier, bei dir. Bei dem, was in deinem Wort passiert.

Kann gelogen sein, was sich richtig anfühlt?

So richtig läuft es nicht. Die erste Woche ist um. Feedback: “Ich arbeite jetzt seit drei Tagen mit dir zusammen. Mir ist aufgefallen, dass du doch noch sehr zurückgezogen bist, dich wenig beteiligst. Ich wollte nur sichergehen, dass du weißt, dass es sehr willkommen ist, Fragen zu stellen, aktiv zu werden, dich zu beteiligen.” Trotz der sehr positiv formulierten Kritik lag sie mir wie ein Stein im Magen. Ich hatte gerade an diesem Tag das Gefühl, ein Stück herausgekommen zu sein – offenbar nicht weit genug.

Die Erwartungen stapelten sich und stapelten sich. Bis ich zu Hause saß, zerrissen zwischen Anspruch, Erwartung und Realität.
Mir entgleitet alles. Ich bin nicht gut genug. Ich bin ein Hochstapler. Ich tu nur so als ob. Ich kann das nicht. Ich schmeiße hin.

Irgendwann klingelt es. Das kenn ich! Das habe ich schon mal gehört. Und daran gearbeitet.
“Liebster, Regulier mich mal. Hab ich eine Krise, oder mach ich mir eine? Stell mir eine Frage, die mir hilft, das herauszufinden.”
“Ähh…”
“Welche Ängste sind real? Warte, schreib mal mit.”

Ich denke, es ist nicht so Borderline, was da passiert ist. Ich wollte gern. Ich wollte gern die fertige Heilerziehungspflegerin sein, die da in die Praxis kommt und richtig aufmischt. In Beziehung geht, fehlerfrei und mit eins das Praktikum verlässt. Nebenbei den Haushalt wuppt und mit dem Ex Sorgerechtsfragen klärt. Weihnachtsgeschenke besorgt und die Erkältung, die seit einer Woche nagt und nachts mit ihrem Husten alles durschüttelt mit Äpfeln und Lächeln wegignorieren. Nebenbei den Blog schreiben und lustige Literacy-Elemente ausprobieren. Selbstverständlich mit dem Filou jeden Tag raus und für den Göttergatten abends noch was Schönes kochen, weil gemeinsames essen so schön viel Spaß macht.

Vielleicht hätten da gar nicht die Triggerpunkte im Job auftauchen müssen, um diese Pläne zu Nichte zu machen. Ich habe eine Liste erstellt: Welche Probleme habe ich wirklich, welche sind ein psychologisches Konstrukt, was läuft gerade gut?
“Was läuft gerade gut” besiegt die “wirklichen” Probleme mit 24 (+) : 13.
Fazit: Ich bin geerdet. Das meiste läuft.

Und das Beste daran ist eigentlich, dass ich von selbst darauf kam. Realitätsüberprüfung. Ich fühlte mich schlapp, einsam, klein und unnütz. Überfordert. Wollte mich verstecken, mich an die Hand nehmen lassen. Bestätigung erfahren, betüdelt werden. Bedingungslose Liebe. Stattdessen: Selbstfürsorge. Nimm dich selbst Ernst.
Was ist echt? Was ist gut? Was fehlt? Das habe ich schon oft getan. Nur selten mit so viel Erfolg.

Was bedeutet das für mich?
Es bedeutet: Ich darf Fehler machen. Nicht jeder Fehler macht mich handlungsunfähig. Nicht jeder steht für Versagen und Unzulänglichkeit. Überforderung heißt nicht “unmöglich händelbar.” Und Angst vorm Praktikum heißt nicht “Nicht tauglich für den Job weil psychisch krank.” Sondern höchstens: Mach’s in deinem eigenen Tempo. Zur Not mit 3. Tau langsam auf, trau dir so viel zu, wie dir gut tut. Sag auch mal “Nein”, steh für dich ein, lern dazu. Frage nach, gib nicht auf. Vor Allem gib nicht auf. 

Manchmal vergesse ich, dass es für mich eine größere Herausforderung ist als für andere. Das normale Leben, die Ausbildung, Kontrollzentrum über Amygdala. Dass es deshalb manchmal schleppend laufen darf. Dass mir niemand nehmen kann, meinen Anspruch zu senken. Dass ich ganz allein entscheide, wie viel Prozent ich gebe(n kann). Und dass es allein meine Aufgabe ist, auf mich aufzupassen – was nicht unbedingt schlecht, sondern eher wahnsinnig befreiend sein kann.

Und wahrlich – wenn ich das so lese, Wahnsinn! Wahnsinn, hab ich mich entwickelt. Wahnsinn, hat sich da was verändert. Fünf gerade sein lassen. Mut zur Lücke. Keine hohle Phrase, sondern in kleinen Schritten zum Ziel. Niemals aufgeben!

Mit Verbeugung und nur einer kleinen Prise Selbstzweifel in die Nacht.

 

Weiter Beitrag

Zurück Beitrag

Antworten

© 2018 wahnsinnundwir

Thema von Anders Norén