#Seelengymnastik Gedanken kommen und gehen lassen

Übung: bei einer gewohnten Tätigkeit Gedanken hören, kurz ansehen, gehen lassen. Nichts Anderes tun dabei, mit Niemandem reden, nicht singen. Aufräumen und Gedanken kommen und gehen lassen.

Ziele

Kurzfristig: Wohnung aufräumen

Mittelfristig: Stimmung halten

Langfristig: Glaubenssätze erkennen

Diese Übung kannst du natürlich auf eine Tätigkeit ummünzen, die besser passt.

Ich kenne von mir, dass ich beim Aufräumen und ganz besonders beim Aufräumen der Küche in Gedanken schwelge. Meine Hände haben viel zu tun und ich muss nicht bewusst darüber nachdenken, was zu tun ist. Für Andere mag sich stricken eignen, Staubsaugen oder Wäsche zusammen legen – es sollte etwas sein, dass du nahezu jeden Tag machst, eine Tätigkeit deren Handgriffe dir sozusagen in Fleisch und Blut übergegangen sind.

Ich habe sie gestern gemacht, hatte aber leider keine Gelegenheit, sie für den Blog ausführlich aufzuschreiben.

Ich muss außerdem direkt gestehen, dass es nicht so gut funktioniert hat, wie ich vorhatte.

Hier habe ich schonmal für dich aufgeschrieben, was Glaubenssätze eigentlich sind.

Ein Element der Verhaltenstherapie, an der ich schon teilgenommen habe, war das Herausarbeiten und Widerlegen dieser Sätze. Dazu muss man aber erst einmal wissen, welche im eigenen Kopf herumschwirren.

Die Idee bei dieser Übung ist es, Gedanken für den Anfang nur während einer einzigen Tätigkeit über einen bestimmten Zeitraum zu beobachten.

ÜBUNG MACHT DEN MEISTER.

Es ist also wichtig, das immer mal wieder zu probieren und sich darauf einzulassen. Ich selbst mache es nicht zum ersten Mal, so fiel es mir doch um einiges leichter zu sehen, welche Gedanken sich wieder eingeschlichen haben, als ich erwartet hatte.

Diesmal habe ich nicht mit dem Gedächtnisprotokoll gearbeitet, sondern wirklich alle Gedanken, die mir wichtig erschienen, sofort notiert, aus Angst, sie wieder zu vergessen.

Du kannst die Übung erst machen und deine eigenen Gedanken “beobachten”, bevor du nach liest, wie es bei mir lief.

Dabei helfen dir folgende Überlegungen:

Welche Gedanken kommen immer wieder?

Welche geben dir ein gutes Gefühl, welche ein schlechtes?

Haben die Gedanken etwas mit dem zu tun, was du gerade leistest?

Hast du ähnliche Gedanken vielleicht schonmal von jemand Anderem gehört?

Hemmen sie dich oder treiben sie dich an?

Du musst nicht jeden Gedanken aufschreiben und behalten. Für heute soll es reichen, wahrzunehmen woran du so denkst. “Höre” den Gedanken, “beobachte” ihn kurz und dann lass ihn bewusst “weiterziehen”. Versuche dich nicht darauf einzulassen, was er mit dir macht, sondern besinne dich wieder auf das, was deine Hände tun.

Du kannst jetzt natürlich auch gleich weiter scrollen und dir erst ein Bild davon machen, wie es für mich aussah, bevor du es selbst probierst.


Also. Glaubenssätze erkennen.

Eigentlich ganz einfach, die meisten kenne ich ja schon. Ich bin Schuld, Ich muss das alleine machen, ich darf das nicht. Wie könnten sie beim Abwaschen relevant sein?

Was soll’s. Die Übung steht, ich habe mir das vorgenommen, also ran an den Speck.

Die Küche sieht furchtbar aus. Wie so eine richtige Assiküche. Da stehen Teller rum, die hätte ich gleich weg räumen sollen, alles klebt, ein Wackelpudding ist ausgekippt.

Ih! Aber ich schaffe es ja eh nie, es gleich zu erledigen. Kein Wunder, dass ich nie was hinbekomme. So wie die aussieht.

Naja, erst Mal anfangen. Gedanken beobachten. Ansehen, kurz gehen lassen.

Wo fang ich an? Geschirrspüler ausräumen. Hätte ich ja längst mal machen können.

Aber ich bin ja selbst Schuld!

Stopp. Da klingelt was. Ich bin selbst Schuld? Waren das jetzt alles schon Glaubenssätze?

Mich packt eine kleine Aufregung. Zettel und Stift, schnell!

Was hab ich gerade alles gedacht?

Hätte ich gleich wegräumen sollen.

Ich bekomme nie etwas hin.

Ich schaffe das nie.

Ich bin Schuld.

Ansehen, gehen lassen. Küche aufräumen. Ich muss das erst fertig machen, sonst kann ich die Übung nicht veröffentlichen. Das muss jetzt fertig werden.

Halt, aufschreiben!

Die Wohnung muss sauber sein, ich muss erst aufräumen, bevor ich etwas machen darf, was mir Spaß macht.

Die Sache ist die. Eigentlich weiß ich, dass ich eine sehr kleine Küche habe. Sie sieht sehr schnell sehr mölig aus, und wenn der Filou wütend wird, lasse ich erst mal alles stehen und liegen. In den letzten Tagen war immer sehr viel los.

Meine Freunde, meine Familie, alle sagen “der Haushalt ist erst Mal zweitrangig. Das kommt, wenn der Rest läuft.”

Aber kaum dass ich anfange, etwas zu tun, drehen meine Gedanken und Grundannahmen durch. So what, Selbsthass schieben und Küche aufräumen?

Das geht doch auch netter. Gedanken angucken, umlenken. Nicht einfach gehen lasen, ich setze heute gleich einen drauf.

Ich bin selbst Schuld? Kann man so sehen. Aber was macht es schon, Schuld zu haben? Ich trage die Verantwortung für den Zustand der Küche. Aber ich bin ja auch die, die sie aufräumt. Muss mich ja nur vor mir selbst rechtfertigen.

Hätte ich gleich wegräumen sollen. War aber keine Zeit, etwas Anderes war wichtiger und das war auch in Ordnung so. Habe ja jetzt Zeit dafür, also was soll’s.

Ich bekomme nie etwas hin?

Ich habe eine Ausbildung, ein wunderbares Kind. Ich arbeite jeden Tag hart an mir und ich habe diese Küche schon tausend Mal aufgeräumt.

Ich schaffe das nie?

Das liegt nur an euch, ihr blöden Glaubenssätze, aber jetzt hab ich euch am Schlawittchen!

Ich beobachte euch. Bababam!

Ich bin nämlich Herr meiner Gedanken. Und wenn ich jetzt Lust habe, mich mit etwas Anderem zu beschäftigen, dann mache ich das.

Ich darf ganz allein entscheiden, wann ich etwas tue.

Und deshalb schreibe ich jetzt diesen Text, genau jetzt, obwohl die Küche noch nicht fertig ist.


Ihr seht, es ist eskaliert: Aber es ist eigentlich auch das perfekte Beispiel für euch.

Glaubenssätze schleichen sich in den unmöglichsten Situationen ein. Und obwohl sie irgendwann mal zu etwas gut waren, vielleicht als Ermahnung oder Erziehung, oder weil sie irgendwann mal gestimmt haben, können sie dir im Alltag im weg stehen. Sie können dich nerven und dir alltägliche Aufgaben viel schwerer machen.

Meine Küche ist jetzt sauber.

Meine Stimmung war geradezu euphorisch.

Und ich habe etwas für mich sehr Wichtiges über mich gelernt:

Der Wert meiner Persönlichkeit hängt ganz sicher nicht an dem Sauberkeitsgrad meiner Küche 😉

Und du? Probierst du die Übung? Hast du die letzte ausprobiert?

Erzähl mir doch davon!

Mit Liebe

Kaddi

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