#Seelengymnastik Pt.2: Nicht denken. Machen!

Weniger geplant aber umso leichter umzusetzen.

Heute Mittag war ich mit dem Filou auf dem Spielplatz. So weit, so wie jeden Tag.

Nach dem hundertsten Mal anschubsen beim Schaukeln und auf die Rutsche heben, während ich in meinen eigenen Gedanken versank, bemerkte der Filou etwas, das mir den entscheidenden Denkanstoß gab.

Ameisen! Ja, Ameisen!

Er hatte großherzig den Spatzen ein Wenig Keks überlassen, aber die kleinen Krabbelviecher schleppten Krümel um Krümel davon.

Ich beobachtete sie und beneidete sie um ihre Gedankenlosigkeit.

Die finden Essen und tragen es nach Hause. Immer wieder. Immer wieder. Meister der Achtsamkeit.

Und nochwas: Es waren “doße” und “teine” Ameisen.

“Wo krabbeln sie hin?” fragte ich den Filou. Und wieder war er es, der mich anstubste. “Weiß eh nis”.

Und auf alle Viere, Mutter und Kind.

Habt ihr schon mal versucht, Ameisen zu folgen? Wenn ihr eine Sekunde an etwas Anderes denkt als daran, der Ameise zu folgen, habt ihr sie verloren.

Also folgten der Filou und ich über eine Stunde großen und kleinen Ameisen über die Wiese. Erfolglos.

Das Einzige, was wir fanden, waren zwei kleine Ameisenbauten. Wo die großen hinwollten, wissen wir immer noch nicht. Dafür hat der Filou gelernt, das Ameisen sich wehren und in Scharen zum Ausgang strömen, wenn du den Ausgang blockierst.

Und ich habe Kleeblätter entdeckt.

Wie oft und wie lang habe ich als Kind stundenlang den Klee nach vier Blättern abgesucht, ohne an etwas zu denken? Die Zeit vergessen, während ich nach Kleeblättern suchte?

Der Filou suchte weiter nach Ameisen und schenkte ihnen Kekskrümel.

Ich versuchte angestrengt ein vierblättriges Kleeblatt zu finden und dabei in den Tranceartigen Zustand zu kommen, den ich als Kind hatte.

Ich gebe zu. Ein Bisschen geschummelt ist es schon. Ich habe ein Alibikind.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ich ohne Zeitdruck draußen bin und Ameisen verfolgen oder Kleeblätter durchwühlen kann ist wesentlich höher als bei Kinderlosen.

Aber es funktioniert besser als viele andere Übungen, weil die Sache selbst dich immer wieder zur Konzentration ermahnt.

Offene Rechnungen, Erwartungen, Ängste, sie alle wurden bemerkt und wieder gehen lassen.

Effektiv.

Ausprobieren, Leute! Seid achtsam! Welche kleinen Dinge draußen können eure Aufmerksamkeit eine Weile lang umlenken?

Woran denkt ihr, wenn eure Gedanken abschweifen?

Mit Liebe

Kaddi

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