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Zwischen Wahnsinn und Erwartung – wie viel anders ist normal?

So, an wessen Bedürfnissen orientiere ich mich jetzt?

Die Goldwaage müsst ihr jetzt ganz weit weg legen.

Ich hatte heute einen wirklich, wirklich heftigen Tag, ohne die Wohnung auch nur verlassen zu haben. Es fing mit dem Magendarmvirus an, der den Filou quälte. Und bediente von dort an alles, was ein fieser Tag so bringen kann.

Fieber beim Kleinen, das absolute Chaos, das aus dem Nichts kam, wie ein Hebel wirksam angesetzte Trigger auf fest vernagelte Traumatonnendeckel, die Gewissheit, verdammt allein zu sein mit der Unmenge an Verantwortung, die hier einfach so im Raum steht.

Ich will eine gute Mutter sein. Ich bin oft wütend, ich schreie oft und laut und sehr viel mehr Frust landet beim Filou als ich das gern hätte.

Heute bin ich an diesem Anspruch, es anders, besser zu machen, immer weiter in mich selbst gerutscht und das tat weh. Sehr.

Bedürfnisorientiert.

Ich brauche eine Pause. Der Große ist krank. Der Kleine kriegt Fieber. Am Freitag könnte ich eine Pause bekommen. Ich freue mich darauf. Aber so?

Diese ganze “attachment parenting“ – Geschichte scheitert doch genau hier und genau jetzt, wenn ich allein zu Hause bin, beide Kinder wie am Spieß brüllen und ich genau weiß:

Wenn es jetzt klingelt ist das keiner, der mir zu Hilfe kommt, dann ist das jemand, der sich über den Lärm beschweren will.

Ich stehe nicht “am Rande der Erschöpfung“. Ich bin schon runtergefallen. Drei Mal, und wieder hochgeklettert, ohne Ausruhen zwischendurch.

Ich gehe in ein Café für “frühe Hilfen“ und da sitzen gut situierte Mamis die über Hartz IV Empfänger lästern.

Ich rufe die Nummer gegen Kummer an und die sprechen mir ihr Mitleid aus, wissen aber auch nicht weiter, meine Hausärztin verschreibt mir keine Mutterkindkur, weil ich für meinen Urlaub so hart arbeiten soll wie sie. Was, ich könnte aus meinem Leben erzählen und es wäre wie eine dieser überzogenen Mitte-40-Lebenskrisen-Filme mit einer Frau in der Hauptrolle die plötzlich merkt, dass sie ausbrechen muss, nur kann ich nicht ausbrechen. Und Mitte 40 bin ich auch noch nicht.

Ich kann nicht mit dem Auto an den Strand, weil ich keine Fahrerlaubnis hab – und kein Auto. Der einzige Kerl der mich heiraten will ist Kaled, der schlecht deutsch sprechende Kerl aus dem fünften Stock und der hat mich erst fünf Minuten gesehen, also eine romantisch-patriarchaische Lovestory wird das hier wohl auch nicht.

Meine Söhne sind so klein, sie brauchen mich wirklich noch und die Väter – ja, nun, die sind jetzt gerade auf jeden Fall beide nicht hier.

Ich mag mein Leben. Aber diese Phase hier, die muss schnell vorbei gehen. Denn bedürfnisorientiert ist hier gar nichts. Wir überleben.

Über “ich kann bald nicht mehr“ bin ich einfach schon hinweg und “liebevoll begleiten“ klappt hier auch nur so semi gut. Ich gebe mein Bestes. Und das muss reichen, obwohl es zu viel und zu wenig von Allem ist.

Die Wahrheit ist, außer mir erwartet niemand Perfektion, im realen Leben hat noch keine, mir wichtige, Person Kritik an meinem Umgang mit den Kindern geäußert – alle wissen, ich gebe was ich kann.

Aber ich gehe kaputt an dem “das muss doch besser, geduldiger, liebevoller, achtsamer gehen“.

Bedürfnisorientiert. Wenn ich mich schon so unbedingt an Bedürfnissen orientieren will – warum dann ausgerechnet an denen meines inneren Kritikers?

Daran denk ich in den nächsten Tagen herum.

Mit Liebe und Lächeln

Kaddi

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