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Zwischen Wahnsinn und Erwartung – wie viel anders ist normal?

Tabu: Gewalt an Kindern. Lasst den Dialog zu!

Auf Twitter lese ich zur Zeit viel über Gewalt an Kindern.

Angestoßen durch den Gesetzesentwurf in Frankreich, der nun auch dort körperliche Strafen verbieten soll äußern sich sowohl Befürworter, als auch strikte Gegner von Züchtigungen und physischer wie psychischer Gewalt.

Dass ich mich Gewalt an Kindern klar entgegenstelle, geht aus anderen Artikeln hier bereits hervor.

Was mir aber ein großes Anliegen ist, ist das Tabu zu brechen, über Gewalt an Kindern, “ausgerutschte” Hände und falsche Verhaltensweisen in der Erziehung zu sprechen.

Nach wie vor glaube ich nicht (!!) dass es die Regel ist, Gewalt zu verharmlosen – ich denke, dass viele Eltern aus schlichter Überforderung handgreiflich werden.

Und leider bleibt es meist nicht bei einem Ausrutscher. Ist die Schwelle einmal überwunden fällt es vielen Eltern schwerer, diese Grenze wieder aufzustellen, vielleicht auch weil die Kinder durch diesen Verlust von Vertrauen noch “schlimmer” die Grenzen der Eltern testen oder, wie ich es lieber formuliere: Ausprobieren bis zu welchem Fehlverhalten die Liebe der Eltern reicht.

Ich denke die Antwort sollte lauten “die Liebe ist bedingungslos”, jedoch lässt sich diese Botschaft im kindlichen Denken nicht mit dem Klaps, dem Anschreien oder dem groben Zupacken vereinen, zu dem überforderte Eltern dann manchmal doch, trotz gutem Willen, neigen.

Wie aber kommt man von diesem Verhalten als Elternteil wieder auf eine gute Basis?

Artikel und Statistiken mit erhobenem Zeigefinger zu lesen nutzt an dieser Stelle nichts. Den betroffenen Eltern ist bewusst, dass ihr Verhalten falsch ist, vermutlich auch, dass es sie nicht weiter bringt und dem Kind schadet.

Der Weg zum Jugendamt oder zu Beratungsstellen ist schambesetzt.

1. “Ich bin eine gute Mutter, wenn ich stark genug an mir arbeite, schaffe ich das allein”

Elternteile fühlen sich wertlos und schäbig, glauben Sie müssten die Situation allein bewältigen um Eltern sein zu dürfen.

2. Die Mitarbeiter in den Ämtern sind mit Fallakten fast überall überbelegt

Akute, drastische Kindswohlgefährdungen haben Vorrang. “Satt und Sauber” muss reichen! Mütter und Väter werden abgewiesen oder nicht ernstgenommen, Termine sind nicht immer in absehbarer Zeit umsetzbar, Hilfsprogramme können durch Überlastung der Mitarbeiter nur halbherzig durchgeführt und kontrolliert werden.

3. Darüber zu sprechen führt sofort zu sozialer Ausgrenzung

Es werden Absolutionen erteilt. “Eine liebende Mutter / ein liebender Vater tut seinem Kind so etwas nicht an.”

Das verhindert einen Austausch zwischen Betroffenen, es verhindert dass Familien die in der Gewaltspirale gefangen sind durch weniger dysfunktionale Familien Unterstützung erfahren.

Die Angst, dass Kinder sich auswärts “verplappern” oder jemand am Verhalten des Kindes die Probleme erkennt, kann sogar zu sozialem Rückzug führen und die Situation für das Kind zu Hause noch verschlimmern.

Das Tabuisieren, Zeigefinger heben und diskussionslose Verurteilen von Fällen gewalttätiger Erziehung hilft also nicht.

Es bleibt wichtig darauf aufmerksam zu machen, dass es das noch gibt und Veränderungsbedarf besteht, aber:

Ebenso wichtig sollte es sein, alternative Methoden aufzuzeigen, Wege zur Unterbrechung der Gewaltspirale zugänglich zu machen und überforderten Eltern urteilsfrei zuzuhören, um den betroffenen Kindern tatsächlich zu helfen!

Meine eigenen Ansätze dazu könnt ihr übrigens hier in der Rubrik “In der Not” nachlesen.

Bist du Betroffene*r? Ich empfehle immer auch einen Anruf beim kostenlosen Seelsorgetelefon.

Mit Liebe und Lächeln

Kaddi

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