Tausendundeingedanke zum Thema: Was bleibt von mir?

Der Filou schläft schlecht und spät ein, im Moment. Wir haben ein tolles Abendritual, das beim Zähneputzen beginnt und mit viel Musik endet: Da tanzen wir zuerst, kuschelnd und lassen den Tag gemeinsam verklingen. Danach legen wir uns gemeinsam ins Bett und mit mir kuschelnd lässt er sich dann von mir in den Schlaf singen.

Ich singe dann alle Lieder, die mir einfallen. Heute hier, morgen dort und My Bonny lies over the ocean sind meine absoluten Lieblinge – ich kann sie singen ohne zu denken, weil sie ich sie in meinem Leben sooft gesungen habe, dass ich manchmal schon von ihnen träume.

Heute hat sich aber ein anderes Lied eingeschlichen. Kennt ihr, ganz sicher. Ein altes.

When I was just a little girl
I asked my mother what will I be
Will I be pretty, will I be rich
Here’s what she said to me.
Que sera, sera
Whatever will be, will be
The future’s not ours to see
Que sera, sera
What will be, will be.
When I grew up and fell in love
I asked my sweetheart what lies ahead
Will we have rainbows day after day
Here’s what my sweetheart said
Que sera, sera
Whatever will be, will be
The future’s not ours to see
Que sera, sera
What will be, will be.
Now I have children of my own
They ask their mother what will I be
Will I be handsome, will I be rich
I tell them tenderly.
Que sera, sera
Whatever will be, will be
The future’s not ours to see
Que sera, sera
What will be, will be.
Que sera, sera…

Que Sera, Sera (Whatever Will Be, Will Be) ist ein Lied, das 1956 von Ray Evans und Jay Livingston für den Film “Der Mann, der zu viel wusste” von Alfred Hitchcock geschrieben wurde. Im Film wurde es von Doris Jay gesungen (Wikipedia sagt…)

Ich hab das Lied also gesungen, der Filou schlief dabei ein und ich fragte mich, wer ihm wohl einmal davon erzählen würde, wenn ich es nicht täte. Ob er jemals davon erfahren würde, was ich alles gesungen, wie oft ich mit ihm getanzt habe, wenn ich die Gelegenheit nicht hätte.

Was wäre, wenn es mich nicht mehr gäbe? Wenn ich einen Unfall hätte oder krank würde, wenn ich sterben würde, bevor ich ihm davon erzählen kann?

Ich habe den Gedanken daran bisher immer schnell verworfen. Ich habe mich oft gefragt, ob ich irgendwo schriftlich festhalten sollte, wer in diesem schlimmsten Fall erzieht und ob das automatisch der Vater tut. Vor Allem auch, ob er das tun würde und könnte, aber das ist eine völlig andere Geschichte.

Was mich heute beschäftigt, die Frage, die sich in mein Herz bohrt;

Was bleibt ihm dann von mir?

Hätte er trotzdem die Sicherheit, dass ich ihn mit all meinem Wesen geliebt habe, dass er mein Leben zu einem Schöneren macht?

Wer würde ihm sagen, dass er richtig ist, genau so, wie er ist? Ihm seine Hand halten, wenn er Angst hat und ihm erklären, wie gut und böse funktionieren?

Wer könnte ihm von meiner Liebe zu tief emotionalen Texten und gefühlvollen Melodien erzählen – würde ihm jemand meine Tagebücher geben?

Würde er die Fotos von mir sehen und sich fragen, wer diese Frau wohl war oder könnte ihm jemand ein Bild malen, mit Worten, das ihm Kraft schenkt, das ihn wissen lässt, was mich ausmachte?

Die Vorstellung allein, nicht selbst für ihn da sein zu können, nicht selbst die Stimme in seinem Kopf zu sein, die ihm sagt was er schaffen kann wenn er will, aber auch, was er alles nicht schaffen muss, treibt mir fast die Tränen in die Augen.

Whatever will be, will be!

Ich möchte der sichere Hafen sein, zu dem der Filou noch lange, lange Zeit zurückkommen kann, wenn er mich braucht. Ich möchte seine Tränen beiseite wischen, seine Wut mit ihm aushalten, die Welt durch seine Augen sehen.

Eine mir sehr nahestehende Person hat es mal so ausgedrückt: Ein Kind bekommen, dass ist wie ein Stück aus deinem Herz rausschneiden und es dann mit eigenen Beinen herumlaufen lassen.

Ja. Genau so! Ich möchte ihn beschützen, ich möchte wissen wer er ist und wer er wird.

Aber dass ich auch um mich selbst so große Angst haben kann, aus dem Nichts und einfach so, das habe ich nicht erwartet.

Ich bin froh, dass ich diese Gedanken hier aufschreiben, aber auch wieder gehen lassen kann.

Das ich mich im Laufe der Nacht neben meinen Sohn legen kann und seinen Atemzügen zuhören darf: Und das er sich im Gegenzug darauf verlassen kann, dass auch ich sobald nicht zu atmen aufhöre.

Mit Liebe im Bauch

Kaddi

Schreibe einen Kommentar