Ganz normaler Wahnsinn

Verzettelt. Pause. Reboot

Ich hab mich verzettelt. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Da hatte ich gerade genug Mut, mich der Sache mit dem Traumjob Autorin zu stellen, dann habe ich mich verfahren. Neuer Job, neues Leben. Das hielt dann zwei, drei Wochen, bis ich merkte, ich packe das nicht.

Ich war wütend auf den Filou, weil er immer unzufrieden war, auf mich, weil ich die Wohnung nicht ordentlich halten konnte, auf die Welt, weil der Job so mies bezahlt war für so hohe Anforderungen und weil ich so verdammt einsam war und weil meine heile Welt, die ich für mich und den Filou kreiert habe, heftige Risse abbekam.

Dann Jobende und wieder ALG 2. Die wollten Zettel. Aber ich saß drin, ich saß in meiner Höhle voller Selbstmitleid und Weltschmerz und Fragen und scheinbarer Einsamkeit.

Die Depression war wieder da. Eine dicke, graue Wolke, die Lebensenergie frisst. Ein Monster, das morgens auf deiner Bettkante sitzt und dich Versager*in schimpft.

Und ich habe es herzlich empfangen. Es hat sich so richtig angefühlt, mich nicht gut zu fühlen. Die Situation war so blöd, so schmerzhaft. Ach was, sie war. Sie ist.

Und doch. Ich weiß ja, wie das läuft. Aufraffen, machen, mir Gutes tun. Dinge tun, die mir irgendwann Freude bereitet haben und hoffen, dass die Freude zurückkommt. Weinen, wenn mir nach weinen ist. Wüten, wenn mir nach wütend ist. Im Haushalt lieber halbe Sachen machen als gar keine. Nieder mit dem Perfektionsanspruch.

Um Hilfe fragen. Auszeiten nehmen. Gut essen. Struktur.

Wow, aber das ist so anstrengend.

Keine Selbstvorwürfe. Ich hätte, ich dürfte nicht, ich sollte nicht, meine Schuld, mein Fehler.

Und wieder von vorn. Ich darf sein, wie ich bin. Ich habe einen Fehler gemacht und ich verzeihe mir das. Ich war unfair zum Filou, beim nächsten Mal klappt es besser. Tut es nicht?

Das Schlimme an Fehlern in der Beziehung zum Kind ist ja, das die Folgen erst unmittelbar und dann langfristig kommen.

Unmittelbar hält der Filou mir den Spiegel vor: Ich bin oft wütend? Dann ist er es auch. Ich esse ungesund? Dann will er das auch. Ich bin unzufrieden? Er auch. Ich vergreife mich im Tonfall? Ja Überraschung. Die Dramatik schwingt bei jedem Satz in seiner Stimme mit.

Darf er das? Na klar. Geht mir das nicht manchmal auf die Nerven? Na aber hallo!

Trotzdem komme ich mit festen Regeln und Konsequenz jetzt gerade natürlich nicht weiter.

Das Zauberwort heißt Struktur. Verlässlichkeit. Geduld.

Ist gar nicht so einfach bei bleierner Müdigkeit, andauerndem Gedankenkarussel und Trotzanfällen auf seiner und meiner Seite.

Muss aber sein. Geht um den Filou, geht um unsere Beziehung.

Und es geht um mein Leben. Für das seit einer Weile eine Menge Verantwortung herumschwebt, die ich mal wieder richtig anpacken muss. Abhauen oder Draufhauen, sagt ein mir nahestehender Mensch dazu.

Draufhauen!

Es ist nicht das erste Mal, dass ich mich auf meinem Lebensweg etwas verfahre. Ich brauche mehr Menschen, mehr Feuer, aber such viel mehr Gelassenheit. Letztere muss ich mir gelegentlich bei Freunden borgen.

Zum Glück hab ich davon ein paar wirklich gute! (Danke, dass es euch gibt!)

Ich war auf einem Festival. Vier Tage ohne Filou, Biorhythmus und gesundem Leben.

Das tat gut.

Jetzt bin ich zwar noch müder als vorher, aber ein paar der Leute die dort waren und einige Textzeilen der Musiker, losgelöstes Tanzen und das Wissen, gerade nirgendwo etwas ändern zu können, haben ihre Arbeit getan.

Jetzt, nach ein paar Tagen sortieren, sind mir ein paar Perspektiven eingefallen.

Schön, dass ihr mich begleitet, während ich die Wege dorthin gehe!

Mit Liebe

Kaddi

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