Ganz normaler Wahnsinn

Vom Familienbett und Deckendieben

Manchmal glaube ich, das Kind strampelt die Decke ganz absichtlich weg. Absichtlich nicht, weil ihm warm ist, sondern weil er kalt werden will, denn wenn ihm kalt wird dann weiß er, ich bin aus dem Raum gegangen und er muss mich zurückrufen. Er weiß dann ich habe meinen Arm elegant unter ihm hervorgewunden und bin auf leisen Sohlen über den Wäscheberg-Boden geschlichen, um mir meine streng verbotene Ration “nach 22.oo Uhr Elternzeit” zu holen.

Wir schlafen im Familienbett. Manchmal aus Überzeugung, manchmal aus Bequemlichkeit, manchmal aus der Wohnsituation heraus.

Am Ende spricht wohl einfach nichts dagegen, wir können damit alle drei gut leben.

Naja. Bis 22.oo Uhr jedenfalls. Denn um 22.oo Uhr findet der Filou, da wird es Zeit, dass ich auch schlafen gehe, am Besten eng an ihn gekuschelt. Ganz Unrecht hat er damit ja nicht.

Wenn ich um 22.oo Uhr schlafen gehe, dann bekomme ich noch ganz genau acht Stunden Schlaf, bis er mich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit wieder weckt.

Und obwohl ich oft versucht habe, mir das Gegenteil zu beweisen und obwohl mein achtzehneinhalbjähriges Ich wohl gerade gern den Mittelfinger für die aufgegebene Rebellion zeigen würde und obwohl es dabei Unterstützung von meinem vierjährigen Ich bekäme: Weniger als acht Stunden Schlaf finde ich tatsächlich selber blöd.

Im Grunde aber nur so mittelmäßig blöd. So Sommerregen blöd, könnte man sagen, an Tagen, an denen man ein Picknick plant. Jedenfalls dann, wenn ich absichtlich später als 22.oo Uhr schlafen gehen möchte.

Es wäre schon schön, picknicken zu gehen. Also acht Stunden Schlaf zu bekommen: Aber es wäre auch ober-mega-affen-titten-geil jetzt ein Bisschen länger Erwachsenenkram zu machen. Das Wort hab’ ich übrigens bei meiner Einschulung gelernt. Ich hab immer drauf gewartet es mal benutzen zu können, ohne dass es blöd klingt. Jetzt klingt es irgendwie auch blöd, aber es beschreibt schon, wie cool es jetzt wäre, aus dem Familienbett schleichen zu können.

Andersrum denke ich, dass diese Zeit schnell vorbei sein wird. Ich denke, wenn irgendwann die neue Wohnung kommt mitsamt eigenem Zimmer, wird es nicht so lang dauern, bis er keine Lust mehr darauf hat mit mir und dem Superheld um die Decke zu streiten.

Es wird eine Zeit kommen, in der ich nur gelegentlich von ihm zu meinen acht Stunden Schlaf überredet werde, er nur gelegentlich zu mir geschlichen kommt, um zu kuscheln. So wie die Zeit kam, in der er mich nicht mehr jede halbe Stunde zum Stillen brauchte.

Wie lang ich damit gehadert habe, ihn mit in das Elternbett zu nehmen, wie überzeugt ich war, dass es falsch und er sicherer im eigenen Bettchen wäre!

Ich kämpfe wohl noch eine Weile beharrlich um meine nach 22.oo Uhr Elternzeit und schlafe dann doch ein, sobald die Decke endlich über des Filou’s Beinchen bleibt.

Und bin dann am nächsten Morgen ausgeschlafen, ohne die versäumte nach 22.oo Uhr Erwachsenenzeit zu vermissen.

Mit Liebe

Kaddi

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