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Zwischen Wahnsinn und Erwartung – wie viel anders ist normal?

Vom Weglaufen und stehen bleiben

Mein Lieblingslied, mein absolutes first-choice-Lieblingslied ist “Heute hier, morgen dort” von Hannes Wader, egal in welcher Vertonung. Der Text, der sitzt, das sind Herzenszeilen.

Als ich in der Grundschule war habe ich die Klassenkameraden beneidet, die oft ungezogen sind oder einen Schulwechsel hinter sich hatten. Ich fand das aufregend, neue Leute, sich neu erfinden, sich und alle anderen neu kennenlernen.

Das hat sich nie geändert. Ich habe jetzt innerhalb von sechs Jahren in vier verschiedenen Städten gelebt und von überall kaum mehr als ein paar Gesichter in meinem Herzen mitgenommen.

Wenn ich eine Beziehung beginne habe ich diese rosarote Brille auf, die jeder kennt – ich bin verliebt und denke, dieses Mal möchte ich bleiben, heiraten, Familie sein.

Aber schon nach kurzer Zeit verändert sich das Gefühl – ich habe viele Theorien darüber, woran das liegt, mich therapeutisch und impulsiv und intuitiv damit auseinandergesetzt, aber es bis heute weder richtig verstanden, noch einen Weg gefunden, damit umzugehen.

Das Gefühl verändert sich und endet in dem Wunsch, nicht für immer bleiben zu müssen und in der Angst, jemandem sehr weh zu tun.

Ich bin gar nicht gern allein, eigentlich ist es mir am Liebsten, eine Konstante, einen Menschen der abends wissen möchte wie mein Tag war, in meinem Leben zu haben – aber so richtig gern gebunden bin ich eben auch nicht.

Gab schon ein paar Menschen die mich fragten, ob ich vielleicht einfach polygam bin oder sonst ein Label trage, das nicht so heteronormativ ist, aber das ist nicht so wirklich mein Weg, das abzuhaken, denn in der Beziehungskiste ist das Thema zwar sehr präsent, aber endet nicht dort.

Ich breche Ausbildungen ab und wechsle Wohnorte. Ich habe viele verschiedene Freundeskreise durch die ich so durchhüpfe, die sich dann und wann an Feiertagen überschneiden, aber am Ende niemals miteinander warm werden.

Meine Träume und Wünsche wechseln und wandeln, meine ganze Persönlichkeit tut das. Es gibt eine Hand voll Menschen, die nun schon mehrere Jahre Runden mit mir drehen und versuchen, konstant dabei zu bleiben. Und ich bin wohl auch ein Bisschen ruhiger geworden, zwischendurch, dann aber doch wieder davon- “geflattert”.

Hin und her, auf und ab. Stabil, Instabil, bunt, schwarz, grau, glitzerpink.

Ich weiß nicht mal, ob ich vor etwas weglaufe oder nach etwas suche und ich weiß nicht, ob mein nächster Halt mein letzter Halt ist. Zurück in die Heimat.

Mit dem Menschen, der sich seit zehn Jahren festhält und mich nicht alleine lässt.

Der Kerl war auch schon alles: Kumpel, bester Freund, Affäre, fester Freund, Ex-Freund und der Grubd für viele Dramen. Nun wird er Vater, Vater vom kleinen Bruder des Filous.

Und ich? Ich bin immer noch dieselbe. Vor lauter Unberechenbarkeit berechenbar geworden. Aus meinen kunterbunten Flusen, die ich mir jahrelang inpulsiv selber geschnitten habe, sind lange braune Haare geworden. Aus schwarz geschminkten – sind vor Müdigkeit dunkel umrandete Augen geworden.

Aus Partynächten Babynächte, aus politischen Diskussionen zwischen Ouzo und Whiskey – pädagogisch wertvolle Auseinandersetzungen mit dem Zweijährigen.

Gesellschaftskritische Texte mit Poetryslamcharakter verwandeln sich in emotionales Gerede für einen Elternblog und unter Einfluss von THC gemalte Bilder werden ersetzt durch das Projekt Bilderbuch.

Nur der Wunsch stehen zu bleiben, der kommt und geht. Das Urvertrauen in die Welt, das kommt und verschwindet.

Ich möchte nicht mehr weglaufen. Ich möchte gern nach Hause kommen.

Nun was? Augen zu und durch, zur Ruhe setzen, heiraten, mich immer wieder dafür entscheiden, den Kindern zu liebe?

Oder bleibe ich so – bin ich so?

Ich weiß es nicht. Ich bin so gespannt wie ihr. Ich liebe den Umbruch, die Aufregung, die Ungewissheit und das Abenteuer.

Mal sehen, wo das hinführt.

Mit Liebe und Lächeln

Kaddi

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