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Zwischen Wahnsinn und Erwartung – wie viel anders ist normal?

Von Aufgaben und Vorstellungen

Erwachsenwerden nervt.

Stellt euch nur mal vor, diesen Artikel würde nicht ich schreiben, sondern ein trotziges, 15-jähriges Mädchen, das gerade dazu verdonnert wurde, sein Zimmer aufzuräumen.

Ungefähr so fühle ich mich gerade. Eigentlich möchte ich gern verantwortungsbewusst und groß sein, mit regulierten Emotionen, einem strukturierten Leben und der Fähigkeit, groß angelegte Studien und Forschungen im Thema Psychologie voranzutreiben.

Real stehe ich an meinem Fenster und bin genervt davon, dass meine Motivation mal wieder erst am Samstag zum Tragen kommt und die Energie bei Weitem überragt. Unmöglich auch, die Wäscheberge in die Kapazitäten von dem Platz auf den Wäscheständern und der zeitlichen Begrenzung der Motivation zu pressen.

Trotz aller Bemühungen werde ich also am Montag und Dienstag, wenn die Kinder wieder da sind, nicht in Ordnung und Zuversicht starten sondern mit “Altlasten” im Nacken, eben in Form von prokrastinierten Aufgaben und der verpassten Chance auf Erholung.

Schade eigentlich. Aber was soll auch überhaupt der ganze Selbstoptimierungswahn und überhaupt, ist ja nicht meine Schuld, ich kann ja nix für die Antriebs und Energielosigkeit meiner Identität und sowieso für die ganze verkorkste Welt. Sowieso hätte ich unmöglich immer die richtigen Entscheidungen treffen können und keine Ahnung wer zu verantworten hat, dass ich heute da bin wo ich bin, wenn überhaupt liegt es an meiner Erziehung und dem Bildungssystem und daran, das wirtschaftlich Benachteiligte vom Staat so ausgebremst werden.

Ja, so wirds sein, ich war von vorneherein macht- und perspektivlos und ändern kann ich auch nix.

So. Genug davon.

So ein Tag ist also heute. Ein “Aber ich will das jetzt sofort anders” Tag, ohne Lust und Muße auf den langen Weg. Auf die vielen Zeiteinheiten, die ich noch für den Feinschliff habe. So ein Tag an dem ich gern alle Verantwortung auf Andere abwälzen möchte und den sterbenden Schwan mimen, während ich schufte.

Das darf sich halt auch mal so anfühlen, oder? So lang man trotzdem tut. Und sich nicht von der herbeizitierten Last auf den Schultern erschlagen lässt, sondern das Glitzern des Horizontes noch erkennt und weiter vorwärts geht. Mit dem Sinn für das Schöne und dem Hauch von Stolz auf das, was man (ich) bis hierhin und heute unter meinen ganz persönlichen Anforderungen des Lebens geschafft habe.

Das ist alles für heute.

Mit Liebe und Lächeln

Kaddio

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