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Zwischen Wahnsinn und Erwartung – wie viel anders ist normal?

Wenn die Realität nicht mehr greifbar ist – in einer Psychose leben

Ich habe einmal angefangen, Borderline anhand der neun Kriterien nach dem ICD10 zu erklären. Das neunte Kriterium steht bisher noch aus, das möchte ich gern ändern – allerdings begründe und erkläre ich die Kriterien hier ja doch recht persönlich, emotional.

Das ist zumindest der Grund dafür, dass dieser Blogbeitrag so unendlich lang prokrastiniert wurde: Das Thema ist mir unangenehm.

Wie ist das, wenn die gefühlte und erlebte Realität überhaupt keinen rationalen Gesetzen mehr folgt, wenn magisches Denken und ungedeckte Schlussfolgerungen die eigene Wahrnehnung bestimmen?

9. Vorübergehende stressabhängige paranoide Vorstellungen oder schwere dissoziative Symptome

Dissoziationen können sehr verschieden sein. Sie reichen von Gefühlen der Unwirklichkeit bis zur Entfremdung von sich selbst und können dabei ganz harmlos sein, als Unachtsamkeit und Vergesslichkeit abgetan werden, oder aber gar zu selbst- und fremdschädigendem Verhalten führen. Dazu möchte ich aber gesondert mehr schreiben.

Was mich persönlich getroffen hat, war ein anderer Zustand. Psychotische Paranoia.

Persönlichkeitsstörung meets THC-Konsum.

Meine persönliche Geschichte beginnt mit einem lieben Kerl, der vorrübergehend bei mir einzog und mich mitrauchen ließ und endet bei einem Farin Urlaub Konzert, das offenbar nur für mich gespielt wurde, um mich einzulullen und zu verhindern, dass ich meine Rolle im Gefüge verstehe.

Im Gefüge – in der Matrix? So genau habe ich mir darüber keine Gedanken gemacht. Meine Synapsen waren vom ständigen Rausch und der absoluten Unterdrückung aller Gefühle wohl ohnehin so aufgeweicht, dass viel rationales Verstehen nicht zu erwarten war.

Der Gipfel jedenfalls war, dass ich einem armen Mann, der gerade zu Farin Urlaub tanzte und mich versehentlich anstieß, heftig in den Arm biss.

(Ey, das war in Hamburg. Falls du Kerl das hier irgendwann versehentlich zu lesen bekommst: Es tut mir Leid! War nichts Persönliches.)

Das Problem bei diesen paranoiden Gedanken ist, dass sie sich rational nicht widerlegen lassen. Natürlich kann ich mir sehr sicher dein, dass ich nicht dazu in der Lage bin Gedanken zu lesen und dass es nicht ausreicht, mir etwas Schlimmes zu wünschen um es geschehen zu lassen.

Aber wie das so ist bei Verschwörungstheoretikern: Wenn die Welt einen Mehrwert davon hätte, mich glauben zu machen dass ich all das nicht kann, einen Mehrwert den ich, aufgrund meiner Position nur nicht verstehen kann: Nun, dann wäre es ja nur normal, dass ich das denke, dann wäre dieser Versuch, rational zu denken plötzlich ein “in die Falle tappen”.

Wann immer ich mit jemandem über meine, selbst für mich verrückten, Gedanken sprach, meine Ängste äußerte, verschlimmerten sich kurz danach die Symptome.

Ich hörte dicher ein Viertel Jahr lang, wie ich in mir drin mit mir selbst stritt und versuchte, diesen Verrücktheiten irgendwie wieder Herr zu werden.

Natürlich dachte ich nicht permanent ich sei der Mittelpunkt der Welt – aber doch immer und immer wieder! Und dann vertrsute ich selbst mir sehr nshestehenden Personen nicht, wenngleich dieses Misstrauen mir zu jedem Zeitpunkt peinlich war.

Ich wusste ja, rational, dass meine Ängste unwahrscheinlich und nicht belegbsr, eben vollkommen absurd waren.

Es wurde besser, als ich nicht mehr kiffte. Aber ein gewisses Misstrauen gegenüber der Welt blieb. Ich muss mich selbst ermahnen, nicht jedem Blick und jedem Wort der Menschen in meiner Umwelt eine versteckte Bedeutung zuzuschreiben.

Ich muss mich hüten Dinge auf mich zu beziehen und für alles Schuld- und Verantwortungsgefühle zu haben.

Einige “verrückte” Gedanken bleiben.

Ich muss jederzeit damit rechnen, meine real erlebte Gedankenwelt zu hinterfragen. Steil zu hinterfragen, sobald ich glaube, jemand erwartet etwas von mir.

Ich bin anfällig für Paranoia – durch Mobbing und traumatische Erlebnisse und wiederholte Retraumatisierungen.

Das geht niemals ganz weg. Ein Gedankenschatten, an guten Tagen einen Witz wert, an schlechten eine Gänsehaut und einen Kontrollanruf bei Eingeweihten.

Neulich erst hat, an einem für mich sehr stressigen Tag, ein älterer Herr versehentlich meinen Einkaufskorb weggeschoben und ich dachte, er hätte das in der Absicht getan mich zu testen, mein Selbstvertrauen auf den Prüfstand zu stellen.

Warum sollte er? Was ist die wahrscheinlichere Erklärung?

Setzte ich mit angelernten Phrasen direkt entgegen und beruhigte mich. Nein, ich werde nicht getestet und ich bin kein Teil der Truemanshow.

Aber Mein Denken kann immer Spuren von Psychose, von Paranoia enthalten. So wie Himbeerbonbons Spuren von Erdnüssen – sie gehören da nicht hin, das ist kein Teil von mir, aber doch da.

Mit Liebe und Lächeln

Kaddi

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