Plot twist? Ein Vorstellungsgespräch.

Geht los jetzt bei mir.

Tagebuchlog #65315799

Ich habe dem Jobcenter also geschrieben, dass ich weder Altenpflegehelferjobs noch Callcenterjobs annehmen kann. Das ich als Sozialassistent arbeiten möchte.

Tada. Jobangebot, Vorstellungsgespräch. Befristeter Job, Teilzeit, Integrationshelfer in der Kita.

Vier Monate, auf dem Papier. Anfangen? Sofort!

Für mich: Das pure Chaos. Hatte ich doch gerade für mich angenommen, ein paar Monate zu sortieren, bevor es wieder losgeht, entscheidet sich morgen, ob ich mich die nächsten vier Monate im neuen Job beweisen soll.

Klingt alles so “vom Schicksal gegeben”, aber natürlich ist es meine Entscheidung. Ich kann schließlich auch “nein” sagen. Oder abgelehnt werden. Heftiger Kram.

Ich sitze jetzt also zu Hause, nutze Beautyprodukte, an die ich nicht glaube, um morgen vorzeigbar selbstbewusst dort aufzutreten. Um möglichst entspannt und nicht zu aufgeregt verhaspelt angucken zu können, wie ich arbeiten würde. Was meine Aufgaben wären, ob mir das ganze Setting Freude bereiten kann.

In der Kita arbeiten?

Bisher war ich in Kita’s Praktikant. Mittelmäßig gut, zu zurückhaltend.

Aber ich erfinde mich jeden Tag neu. Ich weiß ja, was ich kann. Das ich gut bin in dem, was ich tue.

Also: Maximale Vorbereitung und Zuversicht. Vier Monate! Vielleicht hat sich das danach schon erledigt. Vielleicht auch nicht.

Eigentlich perfekt. Kein “für immer gebunden” sondern nur eine Phase, ein Anfang. Sowas wie eine Arbeitserprobung. Kann ich das, was ich will?

Plot twist. Die kennen mich nicht. Kennen nicht meine turbulente Vergangenheit, meine Schwierigkeiten, meine Angst vor Veränderung. Wissen nichts von manchmal-anwesenden sozialen Ängsten, nichts von dem Blog, nichts von meiner Laufbahn. Sie sehen mich, selbstbewusst, Familienmensch, Ausbildung im sozialen Bereich. Kein Quereinsteiger, sondern qualifiziert.

Erfahrung in der Kitaarbeit. Ich kann sein, wer ich möchte. Ich darf mich vorstellen als ruhiger Mensch, der ein paar Tage zum einarbeiten braucht. Sie können mich kennenlernen als der warme, beziehungsorientierte Mensch, der ich bin.

Ich muss gar keine Angst haben und ich brauche keine Beautyprodukte, an die ich nicht glaube, denn ich bin gut genug.

Ich bin gut genug für diesen Job und für mein Leben. Wenn es nicht sein soll, soll es nicht sein.

Drückt mir trotzdem die Daumen!

Mit Liebe

Kaddi

Ohne Arbeit, Ohne Wert? (Reihe) Kaddi erzählt:

Einige von euch kennen mich persönlich. Andere haben vielleicht schon von meiner “Karriere” gelesen.

Zusammengefasst und mit der Tür ins Haus bin ich 24 Jahre alt, alleinerziehende Mutter vom Kleinkind, wohne in einer Zwei-Raumwohnung (genau, Zwei-Raumwohnung, Osten!) und derzeit arbeitslos.

Ich habe einen Abschluss der mittleren Reife, ohne Prüfung. Ich habe ein abgebrochenes FSJ und mehrere Zeiten, in denen ich wochenlang arbeitsunfähig erkrankt bin.

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Ohne Arbeit, Ohne Wert? (Reihe) Lican erzählt:

Ja, was mache ich den ganzen Tag? Wenn ich da mal ganz ehrlich bin, weiß ich das oft selbst nicht mehr.

Ich bin seit mittlerweile nem halben Jahr krankgeschrieben und habe immer wieder das Gefühl nichts zu tun und trotzdem keine Zeit zu haben.

Und dann immer wieder diese Fragen: „Hast du denn schon was Neues gefunden?“

„Willst du nicht langsam wirklich mal wieder was machen?“

Und ja, jede dieser Fragen trifft mich. Ich habe Angst davor, neue Menschen kennen zu lernen, weil in jedem ersten Gespräch die Frage gestellt wird, was man denn gerade beruflich macht. Ich habe Angst vor jedem Treffen mit meiner Familie und selbst vor Freunden manchmal.

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