Für mich hat es sich immer schon so angefühlt: Es gibt das Vorher und das Nachher.
Die Welt ist sicher so, wie du sie siehst.
Es kann sicher sein, dass du zum Frühstück davon laufen musst, weil ab elf die Bomben fallen, es kann sicher sein, dass du um sechs leise im Zimmer sein musst, weil Mama sonst schreit, es kann sicher sein, dass du um vier, jeden, jeden Tag, zu Papa ins Bett krabbelst und er dich in den Tag kitzelt, kleine Prinzessin, was machen wir zum Frühstück?
Irgendwann nicht mehr. Der Krieg ist vorbei, oder Mama macht alle Türen auf und sagt „Nein, so geht’s nicht, dann muss ich an mir arbeiten,“ – Papa stirbt vielleicht. Die Welt verändert sich. Deine Welt nur, aber das lernst du erst.
Und das tut sie wieder, wieder, wieder.
Alles was du weißt, ändert sich und dich gleich mit – du verstehst, das etwas, was für dich ganz unveränderbar real war absolut vergänglich ist.
Deine ganze Persönlichkeit wackelt und Zittert. Du vibrierst, bist aufgeregt, aufgelöst, traurig, verzweifelt – wütend, leer, still, laut.
Währenddessen erstarrt sie schon wieder, die Welt in ihrer neuen Perspektive. Dein Tag ist wieder irgendwie gleich – irgendwas wiederholt sich, irgendwas wird deine neue Sicherheit.
Bis sie bricht, schon wieder.
Aber irgendwann – irgendein Bruch wird es sein – der dich bricht. Der dich unwiderruflich begreifen lässt – du weißt gar nichts. Du bist ein Staubkorn. Deine Welt ist nur das – deine Welt.
Dann kannst du lernen, federleicht zu sein und durch den Wind zu tanzen – oder du wirst unsichtbar und vergessen – so wie die meisten Staubkörner eben.
Irgendwann legt sich der Staub, sagt man und in Gedanken füge ich hinzu: Auf die Sicherheit eines anderen – bis sie wieder bricht.