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Mein kluges Wort zum Freitag #Philokatistrophen

Die ganze Woche denke ich das. Die ganze Woche denke ich: Die Welt ist so wirr!

Warum wünschen wir uns Dinge, die es nicht gibt? Einen saftig, glänzenden Burger von der goldenen Möwe, der schon als er fotografiert wurde nicht echt war, sondern aus Plastik vielleicht oder mit Haarspray in Form gebracht.

Ich frage mich warum es sinnvoll ist, auf den Mehrwert, den meine Gedanken einem leeren Buch geben, Steuern zu erheben und warum ich mir eigentlich nicht aussuchen darf, ob ich das System unterstützen möchte, durch dessen Löcher ich falle.

Klingt natürlich dramatisch, “durch dessen Löcher ich falle”, aber ehrlich, alleinerziehend und mit psychischen Knoten im Kopf gibt es hier gar nicht so viele Möglichkeiten für individuelle Entfaltung.

Die Würde des Menschen ist unantastbar, sagt das System, nur wie viel Würde behält man eigentlich, kotzend über der Kloschüssel während das Kind an deinen Zehen leckt, oder weinend im Ärztewartezimmer, während deine Ärztin dir hinterher ruft dass du die Psychotherapeuten nur noch öfter anrufen musst und niemand ist da, der dir grad’ so richtig helfen kann und alle sind hilflos und wünschen dir viel Kraft?

Ich rutsche schon ein Bisschen durch die Löcher wenn der neue Job nach drei Wochen wieder wegfällt aus tausend guten Gründen, die sich trotzdem nach versagen anfühlen.

Die ganze Woche stoße ich über so wirre Behauptungen, verschiedene Werte und Weltansichten die alle Sinn ergeben und richtig sind obwohl sie im perfekten Widerspruch zueinander stehen. Ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich Nestlé kaufe, also günstige Produkte und damit irgendwie Schwächere beklaue und erzähle den Leuten davon, dass ich ein schlechtes Gewissen habe, sodass die Leute dann auch ein schlechtes Gewissen haben, aber dann essen wir unser Essen und es ist von Nestlé, aber praktisch, weil verfügbar, ohne arm zu werden.

Ja, geht bestimmt auch besser, aber da muss man dann schon mal drüber reflektieren und sich die Zeit nehmen, bewusst durchs Leben gehen, aber wie klappt das eigentlich, weinend im Ärztewartezimmer oder kotzend überm Klo?

“Wenn ihr das Welt nennt, bin ich gern weltfremd” oder “doch ich verstummte denn ich verstand die Pointe, der Witz ist, das ihr gar keinen Witz macht!” rufen dann meine Lieblingskünstler in ihren Songs.

Kann man so sehen! Ich würd auch gern Geld mit dem verdienen, was ich denke. Die Gedanken in mehr oder Weniger mundgerechte Happen schneiden und von denen profitieren, die das ganze dann supporten. Ich würde gern ungemütliche Sachen sagen und dafür gefeiert werden.

Stattdessen bin ich die, die alles so halbwegs mittelmäßig auf die Reihe bekommt, nur eben andauernd irgendwie arbeitslos ist – und meckert und jammert und undurchsichtige Texte schreibt über die unechte Welt und dass sie ihr nicht gefällt.

Die, die Bilderbücher schreibt und ihren Freunden klare Ansagen macht, während sie sich in sozialen Konstrukten verstrickt und nicht so genau weiß, was sie eigentlich will.

Die mit ner Menge Verantwortung und Angst vor der wirren Welt mit den Plastikburgern. Wie viel Mehrwert bieten diese Gedanken?

Wenn ich auf einer Bühne vor euch stünde und euch erzählte, von der Würde des Menschen und den wirren Gedanken einer in der Pubertät stecken gebliebenen, würdet ihr applaudieren? Würdet ihr euch wiedererkennen in der Fassungslosigkeit, in der Sehnsucht etwas zu verändert?

Würdet ihr den Mehrwert des leeren Buches mit nach Hause nehmen, darin lesen, dafür Geld ausgeben, damit ich nicht mehr die Produkte von Nestlé kaufen müsste, oder würdet ihr Mitleid haben und hoffen, dass ich noch erkenne, worauf es wirklich ankommt im Leben?

Irgendwas zwischen Philosophie uns Selbstdarstellung, zu viel Drama und ner Menge Depression. Es macht auch keinen Spaß den ganzen Tag zu funktionieren und Angst davor zu haben, zu laut zu fühlen.

Geht das allen so? Denken alle manchmal, sie sind zu sensibel für die Welt, haben alle manchmal Angst vor dem, was jeden Tag passiert?

Macht es mich klüger, das alles zu sehen und zu hinterfragen, bremst es mich aus, bin ich naiv?

Suggestion. Werbung. Marketing. Moral. Kapital. Wirtschaft. Sozialsystem.

Lauter Worte, wichtig und unwichtig, weil wir jeden Tag leben und jeder von uns wichtig ist, für irgendwen und irgendwann. Wir haben alle eine Existenzberechtigung, cogito ergo sum, die kann uns niemand nehmen, auch nichts von dem was wir tun und:

Ich kann mir selbst nicht mehr folgen. Wie gesund kann es sein, all das den ganzen Tag zu denken?

Wie wichtig ist das, wenn alles irgendwie weh tut und nervt, wenn mal wieder Träume gescheitert sind, wenn jeder Atemzug anstrengend ist?

Es sind Gedanken, nervige Gedanken, die sich drehen und drehen und drehen.

Große Löcher im Netz. Cogito ergo sum. Plastikburger und eine Menge Tränen.

Mein Wort zum Freitag.

Mit Liebe

Kaddi

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