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Zwischen Wahnsinn und Erwartung – wie viel anders ist normal?

So viel Leben

Es ist immernoch Winter.

Im Grunde mag ich den Winter nicht besonders. Er ist starr, kalt und dickköpfig, voll gepackt mit Einsamkeit und Neubeginn, erzählt von Abschied und Veränderung, ist aber gleichzeitig eine Naturgewalt, die Sekunden erstarren lässt. Er friert gebrochene Wellen fest, frisst ihre Energie.

Und doch sitze ich gerade am Ufer des Sees, der mitten in der Stadt ist. Ich beobachte das Schauspiel des starren Wassers an den abgebrochenen Baustämmen und genieße den rauen Wind, der mir ins Gesicht bläst.

Ich sitze an einem Ort, den ich im Sommer nicht entdeckt habe, weil wuchernde Sträucher ihn unzugänglich machen.

Ich halte inne und warte ab, was der Tag mir noch bringt. Da war ein Eiszapfen, der der Schwerkraft trotzt. Von einem hängenden Zweig hat er sich tröpfchenweise zum Boden gestreckt – den Ast hat der Wind ihm genommen, aber nun sieht es aus, als wolle er in den Himmel wachsen. Der Winter führt den Alltag ab adsurdum.

Wir nehmen uns die Zeit, zu Weihnachten das Fest der Familie zu feiern, obwohl das ganze Jahr etwas Anderes wichtiger war.

Wir reden von “Lebe den Moment” und gucken Netflix oder verschlafen die grauen Tage.

Ich liebe den Winter auch ein Bisschen: ich habe keine schlimmen Erinnerungen an ihn. Es ist trist und grau oder weiß und kalt, aber auch eine Decke, die sich um meine Seele legt und mir erlaubt, in Ruhe herauszufinden was die reizvolleren Jahreszeiten dieses Jahr wieder angerichtet haben.

Ich freue mich auf den Frühling.

Mit viel Liebe und Achtsamkeit im Bauch

Kaddi

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Thema von Anders Norén