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Zwischen Wahnsinn und Erwartung – wie viel anders ist normal?

Von Regenbögen und Fotografien oder wie verschieden Wahrnehmungen sind

Manchmal sagen mir Menschen, wie die Welt für sie aussieht. Und dann denke ich “Naja, da fehlt ein Bisschen blau… Und ein bisschen rot…” und manchmal zeige ich die Farben und sie werden angenommen… Manchmal entdecke ich sogar neue…ach was, Manchmal… Das kommt sogar häufig vor… Denn es gibt Phasen, in denen wird meine Welt schwarz-weiß, oder bonbonrosa, oder sie ertönt in Sephianuancen…

Und oft genug sage ich “da fehlt ein Bisschen rot” und mein Gegenüber guckt und guckt und sagt “Aber da ist doch rot” und ich antworte “Nein, das ist orange, fast gelb!” Und wir müssen einsehen, wir finden nicht raus, was stimmt.

Oft ist es aber leider auch so, dass Menschen ihre Welt in genau der Menge Farben halten wollen, die sie kennen. Sie sind sich sicher, dass es türkis nicht gibt oder das Senfgelb ganz genauso aussieht wie Sonnengelb.

Ich streite dann nicht. Denn Farben sind Farben, die Nuancen sind eben nicht immer klar erkennbar.

Was mir allerdings schwer fällt, ist mich nicht zu hinterfragen. Wie, gibt es die Vielschichtigkeit vielleicht nicht? Gibt es nur ein gelb? Sehe ich nur Schatten?

Und manchmal bitte ich die Farblosen, oder, nur beschränkt Farben Ermächtigten, mich zu reflektieren – ich bitte sie, ihren Spiegel nutzen zu dürfen.

Und manche haben gar keinen Spiegel. Also malen sie mir Bilder (in ihren Farben) oder machen ein Foto (aus ihrem Winkel, mit ihrem Filter)

Und dann erschrecke ich. So?! So sehe ich aus? Nein, das KANN nicht sein!

Und frage den nächsten. Weil das dann aber völlig neue Bilder sind, völlig andere Farben und Winkel, werde ich schier verrückt! Denn ich will ja so nicht sein, verbiege mich, geh einen Schritt nach links, einen Schritt nach rechts, mache mich größer, kleiner, bunter!

Was ich dann brauche, ist entweder – klar – einen Spiegel, meinen(!), Stifte, um selbst zu malen – oder einen echten Freund.

Nein, natürlich ist auch sein Bild nicht in meinen Farben… Aber er würde mir auch Keines malen oder mich fotografieren, denn er ist ein echter Freund – er würde mich leiten und ich könnte seinen Worten blind folgen, denn er würde mich nur zu meinem Spiegel oder eigenen Stiften führen. (Und wenn er den Weg nicht kennt würde er sagen “Komm, wir suchen gemeinsam”, oder “ich kann dir nicht helfen, aber ich kann sagen: : So siehst du auch für mich nicht aus.”)

“Na los, kadika” , würde er sagen – “sieh selbst hin” (und ja, er würde dabei den Imperativ korrekt benutzen), “und mach dir dein Bild – deine Welt kann nur in deinen Farben leuchten. Und wenn du willst, zeig ich dir dann, wie sie von hier aus aussieht, aber nur wenn du nicht vergisst, dass ich nicht mehr und nicht weniger Recht habe als du.”

Und ich bin froh, dass ich solche Menschen kenne und schätzen und lieben darf.

Mit Liebe und Lächeln (und ein Bisschen verfärbt)

Kaddi

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