Grenzgänger,  Vom Anderssein

Wie fühlt sich das an?

Manchmal wie ein schlechter Tag.
Wie eine Schreibblockade. Ein Trotzanfall – wie nichts. Nicht wie eine Depression. Sondern wie ein tiefes schwarzes Loch mit Farbabsorbator. Wie 7 Tage ohne Schlaf obwohl ich die ganze Zeit im Bett liege. Als ob meine Person, wie Goethe sagen würde “Die Welt im Innersten zusammenhält”, also, eigentlich nicht, sondern so, als ob ich das müsste. Ohne Kraft und Wissen und so Zeug, eben einfach nur zusammenhalten muss. Vielleicht “Die Last der Welt auf den Schultern tragen”? Schuld an Allem haben.
Depressionen fühlen sich an, wie eine blickdichte, kalte Wand zwischen dir und mir. Sie fühlen sich an wie Einsamkeit. So richtige Einsamkeit. Mutterseelenallein. Habt ihr über diesen Begriff schon mal nachgedacht? Ich glaube, alleiner geht es nicht. Depressionen verschlingen alle Eindrücke. Witzig kann das sein, weil – ohne Kenntnis über die Etymologie, klingt es halt auch danach. De-Pression. Ent-Drückend. Irreführend, oder? Ich denke es gibt nichts erdrückenderes als Depressionen, obwohl – dann wieder doch nicht. Im Grunde ist es “Nichts” in seiner greifbarsten Form.

Depressionen bringen mich zum Weinen, obwohl sie meine Traurigkeit vor mir verstecken. Sie zwingen mich zum Lächeln, obwohl ich überhaupt nicht fröhlich bin.
Und sie machen mich wütend, so wütend! Vor Allem auf mich, weil ich so hilflos bin. Und das obwohl ich mich selbst gern lieber hätte und weiß, wie schwer es ist wütende Menschen gern zu haben.
Depressionen machen mich klein und sind Meister der Tarnung. Ich denke das macht sie so gefährlich – Sie sind für das ungeübte Auge völlig unsichtbar.
Dabei verstimmen sie die Musik und versalzen das Essen. Sie machen den Himmel grau (auch an Sommertagen) und das Wasser viel zu kalt. Oder, vielleicht gar nicht viel zu kalt. Sondern so richtig lauwarm. 36,4°C, sodass du es auf der Haut kaum spüren kannst. So wie du eben gar nichts mehr spüren kannst.

Sie machen Serien trostlos und alles, was gut ist, wertlos. Sie machen mich zu einem schlechteren Menschen.
Zu einer schlechteren Freundin, zu einer schlechteren Mutter. Sie lassen mich vergessen was mir wichtig ist! Sie machen kurze Nächte lang und lange Nächte kurz. Sie löschen mein Gefühl und blockieren meinen Verstand. Sie verschleiern meine Persönlichkeit.

Es ist, als ob sie die Lebensenergie aus mir heraussaugen und in gewisser Weise stimmt das auch, oder nicht? Wie viele Wochen und Monate habe ich dank ihnen inzwischen in trostloser Lethargie verbracht, wie viele Zeilen und Worte nur ihr gewidmet? Ich kann mich nicht erinnern. Was ist vergangene Zeit, an die wir uns nicht erinnern?
Gestohlene Lebensenergie.

Ich will mir keine Lebensenergie mehr stehlen lassen. Ich will streng zu mir sein und mich aufraffen, alles zu tun was ich tun möchte (Aber nicht weil ich es muss, sondern weil ich es will). Ich will wieder Ich sein. Ich will mich fühlen. Gutes als wertvoll anerkennen. Weinen, weil sich etwas schlecht (aber dafür echt) anfühlt. Ich will das! Aber man kennt das. Mit Druck kommt man gegen eine Depression nicht an. Vielleicht kommt sie aus dem Französischen? Vielleicht kommt sie ja “de pression”, also “vom Druck”. Dann bleibt nichts als warten. Bis der Druck abfällt.

Also warte ich. So fühlt sich das nämlich an. Wie warten. Immer wieder warten. Ich weiß, sie kommt und geht. Mal sehen, wie lang ich dieses Mal warten muss.

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